Anreizstruktur Hierarchie Regierung Machtgleichgewicht Spontane Ordnung Freie Assoziation Gegenseitige Hilfe Gewaltfreiheit Direktes Handeln Das Zeitfenster

Ein Rahmen für eine freie Welt

Die Ausgangsbasis

Eine freie Welt kann nicht mit einem fertigen Bauplan beginnen. Der Versuch, ein System für alle zu entwerfen und es dann von oben durchzusetzen, würde genau die Struktur wiederherstellen, die Freiheit überwinden soll.

Der richtige Ausgangspunkt ist daher kein vorgegebenes Gesellschaftsmodell, sondern ein Rahmen, anhand dessen sich Beziehungen, Institutionen und Wege des Wandels beurteilen lassen.

Dieser Rahmen soll Autonomie fördern: die Fähigkeit, das eigene Leben zu gestalten, ohne Strukturen unterworfen zu sein, die anderen ermöglichen, einen zu unterdrücken.

Unser Ziel ist strukturelle Klarheit:

Was ist die wahre Ursache der Probleme der Welt?


Die Anreizstruktur

Um das zu beantworten, müssen wir zuerst die Anreizstruktur verstehen.

Ein Anreiz ist jede Bedingung, die einer Person oder Gruppe einen Grund gibt zu handeln.

Der erste Anreiz, der einem wahrscheinlich einfällt, ist Geld. Doch Geld ist nur eine Form davon. Menschen handeln auch aus dem Bedürfnis nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung und Gegenseitigkeit, aus Selbstachtung, Kreativität und Mitgefühl.

Eine Anreizstruktur ist das Gefüge aus Belohnungen, Strafen, Risiken, Möglichkeiten und Beschränkungen, das Verhalten lenkt, indem es manche Handlungen vorteilhaft und andere kostspielig macht. Sie beschreibt, was ein System in der Praxis begünstigt, unabhängig davon, welche Werte seine Regeln oder diejenigen, die es kontrollieren, zu vertreten behaupten.

Belohnungssystem

Zentralisierte Machtstrukturen belohnen das Streben nach Macht, Geld und Kontrolle. Sie belohnen diejenigen überproportional, die besonders stark nach Macht streben, weil ihnen zentralisierte Kontrolle mehr Einfluss auf alle anderen verschafft. ༆

Das nennt man „Korruption“. Doch das Ergebnis ist kein vom System getrenntes Phänomen. Menschen, die zentralisierte Macht ausnutzen, werden dafür belohnt, während die von ihnen kontrollierten Institutionen sie davor schützen, zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Die Anreizstruktur kommt zuerst: Sie bildet das tiefere Fundament. Hierarchie verfestigt sich dort, wo konzentrierte Macht belohnt wird und Verweigerung ihren Preis hat; danach bewahrt sie die Struktur, aus der sie entstanden ist.


Hierarchie

Hierarchie ist eine pyramidenförmige Organisation, die ein Individuum oder eine Gruppe einer anderen unterordnet. Sie ist eine Rangordnung, in der unterschiedliche Ränge unterschiedlichen Graden von Autorität entsprechen (also dem Recht, den Untergeordneten zu befehlen, und der Pflicht, den Übergeordneten zu gehorchen).

Im politischen Sinn bezeichnet Hierarchie eine soziale Struktur aus Befehl und Gehorsam. Frühere Anreizstrukturen schufen die bestehenden Hierarchien; anschließend verändert die Hierarchie diese Anreize so, dass sie sich selbst reproduziert.

Eine Organisation wird nicht schon deshalb zur Hierarchie, weil Rollen unterschiedlich sind oder dauerhaft bestehen. Hierarchie beginnt, wenn diese Rollen zu Autorität erstarren und eine Pflicht zum Gehorsam entsteht.

Bestehende Bedingungen begünstigen Hierarchie, wenn die Kontrolle über Nahrung, Land, Sicherheit, Arbeitsplätze, Recht, Informationen oder Gewalt einer Seite Macht über die andere gibt.

Hierarchie formalisiert diese Macht zu anerkannter Autorität, dauerhaftem Rang, Befehlsgewalt und einer Pflicht zum Gehorsam. Ausbeutung kann entstehen, wenn aus diesem Vorteil ein dauerhafter Anspruch auf den Gehorsam eines anderen Menschen wird.

Ist Hierarchie erst etabliert, ist sie allerdings nicht mehr nur das Ergebnis von Anreizen – sie wird selbst zu einem Mechanismus, der Anreize erzeugt. Sie belohnt diejenigen, die Autorität anhäufen und durch gezielten Gehorsam Vorteile erlangen. Sie bestraft Verweigerung, begünstigt Persönlichkeiten, denen das Befehlen liegt, und reproduziert die Bedingungen, die ihren Fortbestand rechtfertigen.

Wer Anreizstrukturen und Hierarchie versteht, erkennt die Machtstrukturen, die unsere Welt beherrschen, und die Unterdrückung, die sie erzeugen.

Autorität

Autorität ist ein gesellschaftlich legitimierter Anspruch, der einem Menschen oder einer Institution das Recht zu befehlen verleiht, Gehorsam verlangt und die Befehle mit Gewalt absichert.

Autorität ist nicht dasselbe wie Macht. Macht ist die Fähigkeit, zu handeln, zu überzeugen, sich zu wehren, zu helfen oder zu schaden. Autorität macht aus Macht einen Anspruch.

Fachwissen kann Orientierung geben, und wer die Führung übernimmt, kann eine Richtung vorschlagen. Doch beides gibt niemandem das Recht zu herrschen. Autorität beginnt, wenn aus Orientierung Weisungsbefugnis wird und aus Verweigerung Ungehorsam wird.

Autorität muss nicht ständig Gewalt anwenden, denn die Drohung ist bereits in die Institution eingebaut. Wer sich verweigert, kann Einkommen, Unterkunft, Ansehen, Zugang oder Freiheit verlieren oder schließlich Gewalt ausgesetzt sein.

Deshalb kann Autorität friedlich erscheinen. Der Befehl wird normal, Gehorsam wird erwartet, und Bestrafung gilt als legitime Durchsetzung der Ordnung.

Autorität verleiht der Hierarchie ihre gesellschaftliche Legitimität und ermöglicht es, Herrschaft fortzusetzen, ohne ihre Gewalt in jedem Augenblick offenbaren zu müssen. ༆


Regierung

Regierung ist eine bestimmte institutionelle Form der Hierarchie: eine zentralisierte Organisation, die Autorität über eine ganze Bevölkerung und ein Gebiet beansprucht, ein Monopol auf legitime Gewalt geltend macht, verbindliche Gesetze erlässt, Steuern erhebt und Gehorsam durch Gerichte, Polizei, Gefängnisse und militärische Gewalt durchsetzt.

Das Argument, Menschen seien zu gewalttätig und unzuverlässig, um ohne Herrscher zu leben, lässt sich auch umkehren. Herrscher sind dieselben fehlbaren Menschen, nur kontrollieren sie Armeen, Gefängnisse, Überwachung, Steuern und Recht. Konzentrierte Macht zügelt nicht die schlimmsten Seiten der Menschheit. Sie vergrößert deren Reichweite und schützt die Verantwortlichen davor, zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Wenn Menschen gefährlich sind, besteht die Antwort nicht darin, einigen wenigen von ihnen Macht, Autorität und Kontrolle über Millionen zu geben. Misstrauen ist ein Argument dafür, Macht zu dezentralisieren und zu verteilen, damit kein Mensch und keine Institution großen Teilen der Bevölkerung den eigenen Willen aufzwingen kann.

Zu wählen, wer Autorität ausübt, ist nicht dasselbe wie zu wählen, ob man ihr weiterhin unterworfen sein will.

Kontrollen können die Herrschenden einschränken. Ihre Wirkung kommt jedoch von der Fähigkeit, Macht anzufechten, nicht vom Anspruch der Herrschenden auf Gehorsam. Ein dauerhaftes Recht zu befehlen bringt eine Gefahr mit sich: Wer infrage gestellt wird, kann Verweigerung bestrafen und die Mittel kontrollieren, die nötig sind, um sich ihm entgegenzustellen.

Eine freie Welt verspricht kein Ende von Schaden, Konflikten oder menschlichem Versagen. Verteilte Macht birgt das Risiko von Zersplitterung und scheiternder Zusammenarbeit. Eine Institution mit Autorität kann dennoch koordinieren oder eine andere Macht begrenzen; diese Fähigkeiten sind von der Autorität zu unterscheiden, die sie beansprucht.

Autorität wirkt diesen Risiken nicht entgegen. Sie vergrößert die Folgen menschlichen Versagens, indem sie ihre Reichweite ausdehnt, sie allen ihr Unterworfenen aufbürdet und die Entscheidungen, aus denen sie hervorgehen, vor korrigierender Rückkopplung abschirmt.

Selbst notwendiger Schutz kann Menschen von demjenigen abhängig machen, der ihn bietet. Dieser kann die Abhängigkeit dann nutzen, um seinen Anspruch auf ein dauerhaftes Befehlsrecht zu verteidigen.

Herrschaft lässt sich nicht dadurch überwinden, dass eine Macht allein deshalb zur letzten Instanz wird, weil sie eine andere begrenzen kann. Sie wird begrenzt, indem keine Macht zur letzten Instanz wird. Jede Macht, die andere begrenzen kann, muss selbst anfechtbar bleiben; sonst wird das Gegengewicht zur nächsten Herrschaft. Führt man diesen Grundsatz konsequent weiter, liegt die Absicherung im Gleichgewicht selbst. Ein dauerhafter Anspruch zu befehlen schafft kein Gegengewicht; er schafft eine Asymmetrie, die das Gleichgewicht fortwährend in Schach halten muss.

Autorität zurückzuweisen heißt, Koordination und Begrenzung zu bewahren, ohne jemandem einen dauerhaften Herrschaftsanspruch über diejenigen einzuräumen, die die Folgen eines Scheiterns tragen müssen.

Die Vorstellung einer freien Welt wird oft als utopisch abgetan. Dabei beruht das bestehende System auf der wahrhaft utopischen Annahme: dass sich fehlbare Menschen ausreichend in Schranken halten lassen, während man ihnen Macht, Autorität und Kontrolle über ganze Bevölkerungen anvertraut.

Das Problem ist nicht bloß, dass gerade die falsche Person auf dem Thron sitzt. Das Problem ist, dass es überhaupt einen Thron gibt.

Besteuerung

Zwang ist die Anwendung oder Androhung von Gewalt, Strafe oder Entzug, um jemanden dazu zu bringen, gegen seinen Willen zu handeln, oder daran zu hindern, frei zu handeln.

Besteuerung ist die zwangsweise Entnahme von Mitteln unter Strafandrohung.

Die Regierung verlangt von Menschen Mittel, ob sie deren Bereitstellung zustimmen oder nicht. Verweigerung beendet die Beziehung nicht. Sie löst Sanktionen aus, die die Regierung durchsetzt.

Darin unterscheidet sich Besteuerung von einem freiwilligen Austausch. Ein freiwilliger Austausch setzt voraus, dass man ihn praktisch ablehnen kann. Bei Besteuerung ist das nicht der Fall.

Besteuerung trennt außerdem Entscheidung und Kosten. Die Regierung kann Mittel ausgeben, ohne dass die Entscheider selbst die vollen Kosten tragen, weil sich diese Kosten auf eine Bevölkerung verteilen lassen, die ihre Unterstützung nicht frei zurückziehen kann.

Der Krieg macht diesen Mechanismus besonders deutlich. Wer einen Krieg beschließt, finanziert nicht persönlich seine vollen Kosten. Die Regierung entzieht Millionen von Menschen die Mittel, auch denen, die den Krieg selbst ablehnen. So können wenige Entscheidungsträger über Mittel für den Gewalteinsatz verfügen, ohne die Zustimmung derjenigen zu brauchen, die sie zwangsweise bereitstellen müssen.

Die Regierung erzeugt diese Mittel nicht unabhängig von der Bevölkerung, über die sie herrscht. Durch Besteuerung erhält sie fortlaufenden Zugriff auf die Erzeugnisse menschlicher Arbeit, ohne fortlaufende Zustimmung zu benötigen. ༆

Die Frage reicht deshalb tiefer als die Höhe der Steuer. Besteuerung begründet den Grundsatz, dass eine Institution einen Teil der Arbeit eines anderen Menschen beanspruchen darf, ohne dessen Zustimmung zu brauchen.


Machtgleichgewicht

Ein Machtgleichgewicht ist ein Zustand, in dem Macht so weit verteilt ist, dass kein Mensch und keine Institution anderen den eigenen Willen aufzwingen kann, ohne auf wirksamen Widerstand oder Alternativen zu stoßen oder dafür einen Preis zahlen zu müssen.

Gleichgewicht bedeutet nicht, dass alle über die gleiche Stärke, die gleichen Mittel, das gleiche Wissen oder den gleichen Einfluss verfügen. Diese Unterschiede müssen nicht verschwinden. Entscheidend ist, ob sie so groß werden können, dass Verweigerung bedeutungslos wird und daraus Autorität entsteht.

Ein Machtgleichgewicht kehrt diesen Anreiz um. Wenn Menschen die Fähigkeit behalten, sich zu wehren, sich zurückzuziehen, sich neu zu organisieren und ihre Bedürfnisse durch Alternativen zu erfüllen, lässt sich Herrschaft schwerer errichten und nur unter höheren Kosten aufrechterhalten.

Eine freie Welt hängt also nicht davon ab, dass Menschen von Natur aus gut oder vertrauenswürdig sind. Sie hängt davon ab, Bedingungen zu schaffen, unter denen niemand genug Macht konzentrieren kann, um über alle anderen zu herrschen. Der Anreiz zur Ausbeutung mag bestehen bleiben, aber die Fähigkeit zur Ausbeutung kann durch die Macht anderer, sich zu wehren, begrenzt werden. ༆

Dafür muss Macht dezentralisiert und wieder stärker auf einzelne Menschen und frei assoziierte Gruppen verteilt werden. Autonomie und Selbstversorgung sind wichtig, denn Abhängigkeit schafft Druckmittel. Kontrolliert eine Institution die Lebensgrundlagen, wird die Freiheit, sie abzulehnen, weitgehend symbolisch.

Dieselbe Prüfung gilt auch jenseits der Politik, einschließlich privater Kontrolle. Wirtschaftliche Beziehungen können hierarchisch werden, wenn die Kontrolle über Land, Wohnraum, Arbeit oder andere Lebensgrundlagen einer Seite genug Macht gibt, um Verweigerung kostspielig zu machen und Abhängigkeit in eine Pflicht zum Gehorsam zu verwandeln.

Selbstversorgung bedeutet nicht Isolation. Menschen können weiterhin eng aufeinander angewiesen sein und zugleich über viele verschiedene Quellen für Nahrung, Energie, Wissen, Kommunikation, Unterstützung und Zusammenarbeit verfügen. Je mehr Alternativen es gibt, desto schwerer kann sich eine einzelne Institution so unentbehrlich machen, dass sie allen anderen Befehle erteilen kann.

Ein Machtgleichgewicht wirkt daher gleichzeitig in zwei Richtungen. Es löst bestehende Hierarchie auf, indem es die Abhängigkeiten und Machtkonzentrationen verringert, die sie tragen, und es wehrt ihre Rückkehr ab, indem es Macht verteilt hält, Alternativen offenhält und Verweigerung ermöglicht.

Niemand kann garantieren, dass nie wieder neue Machtkonzentrationen entstehen. Eine solche Garantie würde eine weitere Autorität erfordern, die mächtig genug ist, sie durchzusetzen. Das Ziel ist vielmehr, zu verhindern, dass Machtkonzentrationen dauerhaft werden und sich ihnen niemand mehr entziehen kann.

Macht kann sich verlagern, sammeln und zerstreuen. Entscheidend ist, dass sie anfechtbar bleibt.

Ein unentbehrlicher Dienst braucht keinen unersetzlichen Herrscher. Selbst wenn sich die Leistung nicht doppelt bereitstellen lässt, kann die Kontrolle darüber übertragbar bleiben, sofern die Geräte, das Wissen, die Vorräte und die Unterstützung für seinen Betrieb auch außerhalb eines einzigen Anbieters zugänglich sind. So kann die Kontrolle wechseln, ohne dass die Leistungen ausfallen, auf die Menschen angewiesen sind.

Verlässlicher Schutz erfordert dauerhafte Verteidigungsfähigkeit, kein dauerhaftes Recht zu befehlen. Diese Fähigkeit kann auf unabhängige Assoziationen verteilt bleiben, damit niemand, der Schutz bietet, zugleich die Mittel kontrolliert, mit denen man sich ihm widersetzen könnte.

Ein dauerhaftes Recht zu befehlen verändert die Beziehung: Verweigerung kann selbst zum Grund für Bestrafung werden. Damit kann derjenige, der Schutz bietet, seine eigenen Forderungen gegen Widerstand durchsetzen. Der gebotene Schutz lässt sich schwerer infrage stellen, wenn der Beschützer zugleich die Mittel kontrolliert, mit denen man ihn anfechten könnte.

Ein gesundes Machtgleichgewicht braucht Kräfte, die der Konzentration entgegenwirken, und stärkt diese zugleich. Wo Alternativen, Wettbewerb, Widerstand und neue Assoziationen möglich bleiben, wirken sie weiterer Konzentration entgegen.

Ein dauerhaftes Machtgleichgewicht wird durch Bildung gestärkt, die Wissen und Fähigkeiten verbreitet, durch Möglichkeiten, die Alternativen offenhalten, und durch Abschreckung, die Herrschaft kostspieliger macht. Kommt es zu Konflikten, bieten Schiedsverfahren, Rehabilitation, Wiedergutmachung und Trennung Wege, Schaden und Meinungsverschiedenheiten zu bearbeiten, ohne einen Streit zum Grund für dauerhafte Autorität zu machen.

Es geht nicht nur darum, Herrschaft zu begrenzen, sondern menschliches Potenzial und die unbeugsame Fähigkeit der Menschen freizusetzen, sich dagegen zu wehren, auf Gehorsam reduziert zu werden.

Eine freie Welt bleibt nur dort möglich, wo ein Machtgleichgewicht Autonomie bewahrt und verhindert, dass ein Mensch oder eine Institution anderen auf gesellschaftlicher Ebene den eigenen Willen aufzwingt.


Spontane Ordnung

Spontane Ordnung ist eine bedeutende koordinierende Kraft, bei der dezentrale Verhandlungen, Austausch und Unternehmertum zusammenwirken und großräumige Koordination hervorbringen, ohne einen bewussten Plan oder gemeinsamen Entwurf für die gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entwicklung vorauszusetzen oder auf dessen Möglichkeiten beschränkt zu sein.

Vieles, was uns an Ordnung umgibt, entsteht bereits auf diese Weise. Niemand hat die Sprache als vollständiges System entworfen. Sie entstand, weil unzählige Menschen über Generationen miteinander sprachen, Wörter anpassten, Konventionen schufen und aufeinander reagierten. Das Internet entwickelte sich durch geplante Projekte und gemeinsame Protokolle. Doch kein einzelner Planer entwarf das gesamte System, das daraus wurde.

Im Zentrum spontaner Ordnung steht das Gleichgewicht. Gleichgewicht bedeutet keinen festen oder regungslosen Zustand. Es ist ein ständig wechselndes Verhältnis, das entsteht, wenn unterschiedliche Kräfte aufeinander einwirken und das System sich anpasst.

Natürliche, soziale und sozioökonomische Systeme werden von diesen Kräften geprägt. Veränderungen an einer Stelle haben anderswo Folgen, die weitere Reaktionen im ganzen System auslösen. Knappheit, Überfluss, Anreize, Zusammenarbeit, Konflikte, Nachfrage und verfügbare Alternativen lenken das Verhalten in verschiedene Richtungen. Die Anreizstruktur bestimmt, in welche Richtung diese Anpassung verläuft, indem sie festlegt, welches Verhalten belohnt, entmutigt oder kostspielig gemacht wird. Ordnung entsteht aus dem Zusammenspiel dieser Kräfte, nicht dadurch, dass eine Kraft das Ganze kontrolliert.

Dieser Prozess wirkt durch Rückkopplung. Menschen handeln, erleben Folgen, beobachten einander und passen sich an. Jede Reaktion schafft neue Informationen, die beeinflussen, was als Nächstes geschieht. Durch wiederholte Anpassung können örtliche Wechselwirkungen zu zusammenhängenden Mustern werden, die niemand entworfen hat oder vollständig versteht.

Manche Fehlschläge lassen sich nicht gefahrlos durch Ausprobieren und anschließendes Nachbessern bewältigen, weil ihre Folgen unumkehrbar werden können, bevor Rückkopplung wirken kann. Solche Risiken erfordern Vorbereitung und Koordination vor dem Fehlschlag, nicht erst Anpassung danach.

Wenn Schaden verborgen oder auf andere abgewälzt werden kann, belohnt Rückkopplung womöglich Ausbeutung statt Zusammenarbeit. Spontane Ordnung bringt nicht von sich aus wünschenswerte Ergebnisse hervor; die Anreizstruktur prägt, was entsteht.

Zentralisierte Kontrolle stört diesen Prozess, wenn sie versucht, verteilte Rückkopplung durch ein vorgeschriebenes Ergebnis zu ersetzen. Wissen ist unter den Menschen verstreut, die tatsächlich mit wechselnden Bedingungen umgehen; vieles davon ist örtlich, praktisch und vorübergehend. Je größer und komplexer ein System wird, desto mehr Informationen muss eine zentrale Hierarchie über größere Entfernungen verarbeiten. Für wenige Entscheidungsträger wird es dadurch immer schwieriger, auf das gesamte System so wirksam zu reagieren wie die Menschen, die unmittelbar in ihm handeln.

Spontane Ordnung ermöglicht es, Komplexität durch viele miteinander verknüpfte Wissensquellen und Anpassungsprozesse zu bewältigen. Koordination entsteht aus den angesammelten Reaktionen des Systems selbst. Weil Anpassung nicht vollständig von zentralisierter Koordination abhängt, lassen sich Störungen örtlich auffangen, Alternativen entwickeln und die größere Struktur trotz eines Ausfalls weiter neu organisieren.

Das Ergebnis ist emergente Ordnung: großräumige Koordination durch das fortlaufende Zusammenspiel kleinerer Teile. Ordnung wird dem System nicht aufgesetzt. Das System bringt sie hervor, während seine Teile aufeinander reagieren und sich auf ein wechselndes Gleichgewicht zubewegen.

Ordnung lässt sich nicht einfach per Gesetz vorschreiben. Ordnung ist ein Ergebnis, das sich herausbildet, wenn Menschen sich für Zusammenarbeit entscheiden. Wenn Anreize sie in Konflikte treiben, kann ein Gesetz allein sie nicht zur Zusammenarbeit bringen. Eine freie Welt aufzubauen heißt, die Anreize zu schaffen, die Zusammenarbeit und Ordnung ermöglichen.

Netzwerke

Ein Netzwerk ist eine Struktur verbundener Menschen oder Gruppen, die miteinander kommunizieren, sich abstimmen und direkt handeln können, ohne jeden Austausch über eine zentrale Autorität leiten zu müssen.

Hierarchien konzentrieren Informationen und Entscheidungen auf wenige zentrale Stellen. Netzwerke verteilen beides. Koordination kann von unten entstehen, wenn Menschen unmittelbar auf veränderte Bedingungen reagieren, Informationen austauschen und sich nach konkreten Bedürfnissen organisieren.

Ein Mechanismus dahinter ist die Stigmergie: Handlungen hinterlassen Spuren, die weitere Handlungen leiten. ༆ Menschen reagieren auf das, was andere bereits getan haben. So kann komplexe Koordination entstehen und sich ausbreiten, ohne dass ein zentraler Planer jeden Schritt lenkt.

Das Rhizom ist aus diesem Grund eine außerordentlich wirksame Struktur. Anders als ein Baum, der um einen zentralen Stamm herum organisiert ist, breitet sich ein Rhizom seitlich über viele verbundene Wurzeln und Triebe aus. Es verzweigt sich, verbindet sich neu, vermehrt sich und wächst weiter, wenn Teile beschädigt werden. Keine einzelne Stelle kontrolliert oder umfasst das Ganze.

Allein das Fehlen einer formellen Hierarchie macht ein Netzwerk noch nicht dezentral. Wird ein Knoten unverzichtbar, kann Abhängigkeit erneut die Druckmittel schaffen, auf denen Hierarchie beruht. Eine solche Abhängigkeit kann auch entstehen, wenn viele Knoten von denselben Lieferanten, Ressourcen, Informationen oder Personen abhängen, die den Zugang kontrollieren, oder wenn die Koordination selbst den Ausstieg aus einem bestehenden Netzwerk erschwert.

Mit zunehmender Größe kann also erneut Abhängigkeit entstehen, ohne eine formelle Hierarchie zu schaffen. Entscheidend ist, ob wichtige Funktionen anfechtbar bleiben und übertragen, über andere Wege erbracht oder ersetzt werden können.

Deshalb beginnt wirklicher Wandel von unten. Von oben durchgesetzter Wandel bleibt von der zentralisierten Autorität abhängig, die ihn durchgesetzt hat. Wandel, der von unten wächst, kann sich über unzählige unabhängige Stellen verbreiten, sich durch ihre Verbindungen verstärken und immer schwerer vereinnahmen, unterdrücken oder rückgängig machen lassen.

Verteilte Netzwerke werden durch redundante Verbindungen, Ausweichwege und die Fähigkeit widerstandsfähig, sich nach einem Ausfall neu zu organisieren. Hierarchie konzentriert Ausfälle ebenso wie Kontrolle. Netzwerke können sich über andere Verbindungen neu organisieren, zugleich verschiedene Wege erproben und Störungen umgehen.

Spontane Ordnung wächst über Netzwerke: Koordination entsteht aus vielen miteinander verbundenen Teilen, während das Fehlen einer unentbehrlichen Kontrollstelle die gesamte Struktur anpassungsfähiger, widerstandsfähiger und schwerer vereinnahmbar macht.


Freie Assoziation

Freie Assoziation schließt auferlegte Mitgliedschaft, erzwungene Beteiligung und jede Autorität aus, die einen friedlichen Austritt verhindert. Keine Gruppe hat über die fortlaufende Zustimmung hinaus Anspruch darauf, dass ein Mensch weiterhin teilnimmt. Menschen steht es weiterhin frei, zu gehen, ihre Richtung zu ändern, sich neu zusammenzuschließen und andere Möglichkeiten zu schaffen, wenn sich ihre Bedürfnisse und Interessen ändern.

Freie Assoziation beginnt beim Einzelnen. Wer einer Beziehung, Organisation oder Gemeinschaft beitritt, gibt seine Autonomie nicht an sie ab. Zustimmung muss fortbestehen, solange die Beteiligung fortbesteht; eine gestern getroffene Vereinbarung darf morgen kein dauerhafter Anspruch auf einen Menschen werden.

Ein Austritt bedeutet wenig, wenn er den Zugang zu den Lebensgrundlagen kostet. Freie Assoziation hängt von Alternativen ab, die stark genug sind, um Verweigerung praktisch statt nur formell zu ermöglichen.

Diese Alternativen müssen auch bei Bedarf erreichbar sein: eine Unterkunft, ein Weg dorthin und Fürsorge, die auch während des Wechsels nicht abreißt. Gemeinsame Reserven und Vorkehrungen zur Aufnahme von Menschen können das schon vor einer Krise ermöglichen. Niemand sollte seine Lebensgrundlage allein neu aufbauen müssen, um einen Anbieter abzulehnen.

Menschen schließen sich aufgrund gemeinsamer Interessen, Bedürfnisse, Beziehungen und Ziele von selbst zusammen. So entstehen Gruppen, die auf tatsächlicher Übereinstimmung beruhen statt auf erzwungener Mitgliedschaft. Ein Mensch kann zugleich mehreren Assoziationen angehören, die verschiedene Teile seines Lebens widerspiegeln, ohne dass eine davon den ganzen Menschen beansprucht.

Nicht alle müssen sich einig sein. Menschen können verhandeln, Kompromisse finden und Konflikte friedlich von Fall zu Fall lösen. Wenn ihre Ziele zu weit auseinandergehen, können sie sich trennen. Eine Assoziation kann sich in mehrere aufteilen, die Beziehungen bewahren, die noch funktionieren, andere aufgeben und sich in völlig neuen Formen wieder verbinden.

So entsteht eine enorme Vielfalt möglicher Formen. Gruppen können entstehen, sich teilen, überlappen, erneut verbinden und mit den Umständen ihre Richtung ändern. Statt Menschen mit unvereinbaren Zielen in eine einzige Entscheidung zu zwingen, lässt freie Assoziation verschiedene Antworten zur gleichen Zeit zu. ༆ Vielheit entsteht aus der unbegrenzten Verschiedenheit der Menschen und ihrer Fähigkeit, unterschiedliche Formen des Zusammenschlusses zu gestalten. Pluralismus wird eine strukturelle Folge der Freiheit, statt von oben gewährt zu werden.

Damit verändert sich auch die Bedeutung von Gemeinschaft. Ein gemeinsames Gebiet macht Hunderttausende oder Millionen Fremde nicht zu einer echten Gemeinschaft. Gemeinschaft wächst aus Beziehungen, Vertrautheit, gemeinsamen Zielen, Nähe und gegenseitiger Anteilnahme. Starke örtliche Assoziationen können eng mit größeren Netzwerken verbunden bleiben, ohne in einer einzigen Autorität aufzugehen.

Größe erfordert daher nicht zwangsläufig Hierarchie. Kleine Assoziationen können sich durch horizontale, überlappende Netzwerke verbinden, dort zusammenarbeiten, wo sich ihre Interessen treffen, und andernorts unabhängig bleiben. Informationen, Mittel und Wissen können über diese Verbindungen ausgetauscht und Handlungen abgestimmt werden, ohne den Umweg über eine zentrale Befehlsstruktur.

Nicht jede Aufgabe muss weiterhin in demselben Maßstab organisiert werden wie heute. Mehr Möglichkeiten vor Ort können die Abhängigkeit von Koordination über große Entfernungen verringern. Wo überregionale Koordination nötig bleibt, können Netzwerke die Zusammenarbeit über Regionen ausdehnen, ohne sie zu einer dauerhaften Autorität über die Beteiligten zu machen.

Auch wenn alle Mitglieder mitreden dürfen, beansprucht ein koordinierendes Gremium Autorität, sobald es sich das allgemeine Recht zuspricht, zu bestimmen, welche Tätigkeiten unabhängige Menschen und Assoziationen seiner Entscheidungsgewalt unterwerfen müssen.

Solche Netzwerke bleiben offen, weil Menschen Vorschläge machen, etwas ausprobieren, Bewährtes übernehmen, verändern oder eine Alternative schaffen können, ohne auf Genehmigung von oben zu warten. Erfolgreiche Formen verbreiten sich durch freiwillige Übernahme. Gescheiterte Formen können verschwinden, ohne dass ihr Scheitern allen anderen aufgezwungen wird.

Die Freiheit auszutreten hilft zu verhindern, dass diese Beziehungen zu Herrschaft erstarren. Austritt kann bedeuten, ganz zu gehen, weniger mitzumachen, andere Partner zu finden, eine parallele Assoziation zu gründen oder einfach eine Vereinbarung abzulehnen, die nicht mehr funktioniert. Wo Weggehen den Verlust von etwas bedeutet, das sich nicht einfach ersetzen lässt, oder wo jemand in verschiedenen Assoziationen immer wieder auf denselben Ausschluss stößt, hängt Freiheit auch davon ab, diese Bedingungen anfechten oder ändern zu können, und nicht nur davon, sie verlassen zu können. Wird friedliche Trennung verhindert und Teilnahme erzwungen, ist die Assoziation nicht mehr frei.

Menschen können eine Assoziation verlassen, ohne sich der Verantwortung für Schäden zu entziehen, die sie verursacht haben, oder für Zusagen, die sie freiwillig gemacht haben und auf die sich andere vernünftigerweise verlassen haben. Die Verantwortung für eine Zusage rechtfertigt nicht automatisch, jemanden zu zwingen, sie zu erfüllen. Schiedsverfahren, Wiedergutmachung, Trennung und andere Reaktionen können mit gebrochenen Zusagen umgehen und dabei auf den jeweiligen Streit beschränkt bleiben. Verantwortung bleibt an den konkreten Schaden oder die konkrete Zusage gebunden; sie darf weder zu einem Besitzanspruch auf einen Menschen noch zu einer allgemeinen Pflicht zum Gehorsam werden.

Zusammenarbeit zu verweigern, begründet für sich genommen noch keinen Zwang. Die Kontrolle über Lebensgrundlagen einzusetzen, um Gehorsam zu erzwingen, oder den Zugang zu Alternativen zu versperren, die andere freiwillig anbieten würden, tut es.

Manchen Schäden kann man nicht allein durch Trennung entkommen, besonders wenn ihre Folgen verstreut auftreten oder auf Menschen abgewälzt werden, die ihnen nicht einfach entgehen können. Das schwächt die Rückkopplung, die schädliches Verhalten sonst begrenzen würde. Dezentralisierung bedeutet nicht, dass jede Reaktion örtlich bleiben muss; betrifft ein Schaden Menschen über Assoziationen oder Regionen hinweg, können die Betroffenen über diese Grenzen hinweg zusammenarbeiten, sich auf gemeinsame Maßstäbe einigen oder seine Folgen verfolgen.

Wo Trennung einen Schaden weder verhindern noch beenden kann, können die Betroffenen sich verteidigen, Vermittlung suchen oder gemeinsam handeln, um ihn zu stoppen. Eine gemeinsame Gefahr zu stoppen, kann vorübergehende Beschränkungen von Handlungen erfordern, die andere gefährden, selbst wenn die Betroffenen uneinig sind und die Verantwortung einzelner Personen unklar ist. Sowohl die Beschränkungen als auch die Frage, wer ihre Kosten trägt, müssen gesondert gerechtfertigt werden.

Die Behauptung, es sei ein Schaden entstanden, entscheidet den Streit nicht. Schutz muss daran gebunden bleiben, den konkreten Schaden zu stoppen, statt ein Grund für umfassendere oder unbefristete Kontrolle zu werden. Wer eingreift, wird dadurch nicht unangreifbar; die Möglichkeit, Gründe, Mittel oder Fortdauer eines Eingriffs infrage zu stellen, darf nicht allein von den Eingreifenden abhängen. Eine unabhängige Anfechtung muss die praktische Macht einschließen, ungerechtfertigte Beschränkungen zu ändern oder einen Eingriff zu beenden, wenn seine Rechtfertigung entfällt.

Manche Probleme werden ungelöst bleiben, statt dass wir eine dauerhafte Autorität schaffen, die eine Lösung nur garantieren kann, weil sie die Macht hat, alle Beteiligten zu zwingen.

Freie Assoziation schreibt keine endgültige Gesellschaftsordnung vor. Ihre Stärke liegt gerade darin, diese Frage offenzulassen. Sie lässt radikal freie und autonome Menschen ihre Beziehungen immer wieder selbst gestalten und schafft eine gesellschaftliche Ordnung aus unzähligen überlappenden Assoziationen statt aus einer einzigen Struktur, die die Autorität beansprucht, sie alle zu umfassen.


Gegenseitige Hilfe

Gegenseitige Hilfe ist Zusammenarbeit durch Gegenseitigkeit: Menschen helfen einander, weil unsere Interessen einander nicht widersprechen müssen. Wir alle haben unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten, Kenntnisse, Mittel und Möglichkeiten. Wenn wir sie teilen, können beide Seiten besser dastehen als zuvor.

Eine freie Welt bewegt sich weg von Beziehungen, in denen der Gewinn des einen der Verlust des anderen ist. Wohlstand wird durch die Schaffung neuer Werte erzeugt. Zusammenarbeit kann beiden Seiten mehr bringen, als sie allein hätten hervorbringen können. Doch die Beziehung ist kein echter Gewinn für beide, wenn ihre Vorteile davon abhängen, Kosten auf andere abzuwälzen. Solche Beziehungen werden einfacher, wenn Zugangshürden und künstliche Knappheit verschwinden und Menschen mehr Wege offenstehen, für sich und füreinander zu sorgen.

Gegenseitigkeit wird durch wiederholte Beziehungen stärker. Starke Nachbarschaften und Gemeinschaften wachsen aus Freundschaft: Menschen kennen einander, nehmen Anteil am Leben der anderen und teilen Nahrung, Werkzeuge, Fähigkeiten, Wissen, Unterkunft, Zeit und Unterstützung. Wenn die Menschen um einen herum keine Fremden mehr sind, bleibt jemand, der in Armut oder Obdachlosigkeit gerät, kein unsichtbares Problem, das eine ferne Institution lösen soll. Seine Bedürfnisse werden für Menschen sichtbar, die ihn kennen und denen sein Wohlergehen etwas bedeutet.

Diese Beziehungen können sich zu größeren Netzwerken gegenseitiger Hilfe verbinden, Hilfe auch über den bisherigen Bekanntenkreis hinaus ermöglichen und erweitern, was ein Einzelner oder eine Nachbarschaft allein leisten kann. Eine Person hat Essen, eine andere ein freies Zimmer; jemand anderes kann etwas reparieren, lehren, anbauen, bauen, transportieren oder sich um jemanden kümmern. Je stärker diese Beziehungen einander überlappen, desto mehr Wege haben Menschen, Unterstützung zu finden, und desto weniger müssen sie für den Zugang zu dem, was sie brauchen, von einer einzigen Institution abhängen.

Gegenseitigkeit setzt nicht voraus, dass jeder, der Fürsorge erhält, etwas zurückgeben muss. Für jemanden, der nicht allein weggehen oder Unterstützung organisieren kann, hängt Freiheit davon ab, dass die Fürsorge nicht von einer einzelnen Person oder Beziehung kontrolliert wird.

Mehrere Bezugspersonen und unabhängige Beziehungen erleichtern es, Missbrauch anzufechten und die Fürsorge auch bei einem Wechsel aufrechtzuerhalten. Wenn ein Mensch keine informierte Zustimmung geben kann, soll sich die Fürsorge nach Möglichkeit nach seinen geäußerten Wünschen richten und auf seine Bedürfnisse beschränkt bleiben. Abhängigkeit gibt niemandem das Recht, über diesen Menschen wie über Eigentum zu verfügen.

Verlässliche gegenseitige Hilfe muss auch dauerhaft aufrechterhalten werden. Menschen haben Gründe, die Dienste zu unterstützen, die sie nutzen, die ihnen wichtig sind oder die sie später brauchen könnten. Eine dauerhafte Versorgung hängt von regelmäßigen Beiträgen in Form von Arbeit und Ressourcen, gemeinsamen Reserven und Entlastung für erschöpfte Menschen ab, die andere versorgen oder diese Dienste aufrechterhalten.

Fürsorge kostet nicht alle Menschen zur selben Zeit gleich viel. Größere Netzwerke können ungleiche Lasten aber auf mehr Menschen, Mittel und Beziehungen verteilen, statt sie einer einzelnen Person zu überlassen. Bei Knappheit können Menschen Prioritäten aushandeln und Hilfe über das örtliche Netzwerk hinaus suchen, wenn Bedürfnisse und verfügbare Vorräte sichtbar sind. Bedürftigkeit kann fehlende Mittel nicht schaffen. Doch ebenso wenig kann Knappheit ein Recht auf Gehorsam begründen.

Gegenseitige Hilfe ist keine Selbstaufopferung. Uns geht es gut, wenn es den Menschen um uns herum gut gehen kann. Menschen, die sicherer, gesünder, freier und handlungsfähiger sind, machen auch unser Leben sicherer, reicher und freier. Persönliches und gemeinsames Wohlergehen stärken einander, statt Gegensätze zu sein.

Herrschaft und Rache schaffen immer wieder die Voraussetzungen für Konflikte statt für Frieden. Gegenseitige Hilfe beantwortet Leid mit Fürsorge, Liebe und Hoffnung und schafft zugleich die materiellen Bedingungen, unter denen sich Leid seltener wiederholt.

Wir schaffen die friedliche Welt, in der wir leben möchten, indem wir den ersten Schritt zu ihrem Aufbau tun: Wir helfen einander schon jetzt, stärken die Beziehungen um uns und festigen sie so, dass niemand der Welt allein gegenüberstehen muss.

Freundschaft

Eine starke Gemeinschaft beginnt mit Freundschaft, nicht mit der abstrakten Idee von Gemeinschaft. Freundschaft ist persönlich, bewusst, freiwillig und wird unmittelbar von den beteiligten Menschen gestaltet. Eine größere Gemeinschaft hat nicht schon deshalb Anspruch auf die Beziehung, weil zwei Menschen demselben Ort, derselben Gruppe oder derselben Sache angehören.

Freunde brauchen keine äußere Autorität, die ihre Beziehung vorschreibt oder sie zum Konsens zwingt. Sie entscheiden selbst, wie sie miteinander umgehen, wo ihre Grenzen liegen und wann eine Beziehung sich ändern oder enden soll. Die Freiheit, sich zusammenzuschließen, bedeutet wenig ohne die Freiheit, sich zu trennen.

Freundschaft hat auch eine natürliche Grenze. Sie lässt sich nicht zu einer einzigen Beziehung ausweiten, die alle umfasst, und darin liegt ein Teil ihrer Stärke. Freundschaften können klein bleiben und zugleich überlappen und sich nach außen verbinden. So breitet sich Zusammenarbeit aus, ohne alle an dasselbe soziale Ganze zu binden. Größere Netzwerke erlauben es auch Menschen, die keine Freunde sind, sich abzustimmen, ohne aus diesen Netzwerken eine einzige Gemeinschaft zu machen.

Das Ziel ist, Freunde zu finden, statt Gemeinschaften aufzubauen. ༆ Lasst stärkere Gemeinschaften aus Beziehungen entstehen, die Menschen tatsächlich selbst wählen.


Gewaltfreiheit

Gewaltfreiheit ist die vorzuziehende Strategie, um eine freie Welt aufzubauen. Die Mittel, mit denen eine neue Welt geschaffen wird, prägen die Gewohnheiten, Anreize, Organisationen und Machtverteilungen, die daraus hervorgehen. Politische Gewalt verändert die Anreizstruktur des Widerstands selbst: Sie belohnt Geheimhaltung, Befehlsgewalt, Zwang und Organisationen, die Gewaltmittel konzentrieren können.

Politische Gewalt kann die Strukturen stärken, die sie angreifen soll. Wenn Menschen Gewalt sehen, bekommen sie Angst. Die Angst treibt sie zu den Institutionen, die Schutz versprechen: Polizei, Militär und Regierung. Gewalt kann daher gerade die Durchsetzungsorgane der angegriffenen Hierarchie stärken, der Regierung mehr Rechtfertigung für Polizeieinsätze, Überwachung, Unterdrückung und Gewaltanwendung geben und zugleich die übrige Bevölkerung gegen ihre Gegner aufbringen.

Die Regierung verfügt bereits über einen überwältigenden Vorteil bei organisierter Gewalt. Sie kontrolliert Polizei, Militär, Gefängnisse, Geheimdienste, Waffen und logistische Netzwerke, die zur Durchsetzung ihrer Autorität geschaffen wurden. Gewalt erlaubt der Regierung, die Bedingungen der Auseinandersetzung festzulegen und ihre größte Stärke auszuspielen.

Gewaltfreiheit greift Hierarchie von einer anderen Seite an. Direktes Handeln, ziviler Ungehorsam, Streiks, Verweigerung, gegenseitige Hilfe, Selbstversorgung, Aufbau von Gemeinschaft, konstruktive Alternativen und der Rückzug aus der Beteiligung greifen die Abhängigkeiten an, durch die zentralisierte Institutionen funktionieren. Die Regierung wirkt nicht allein durch Gewalt; sie ist auf fortgesetzte Zusammenarbeit angewiesen.

Auch Hoffnung ist politische Macht. Das Ziel ist nicht, Menschen durch Angst in den Kampf zu treiben, sondern sie für die Möglichkeit einer friedlichen und freien Welt zu begeistern, in der Menschen gut leben, ihre Träume verfolgen, ihre Fähigkeiten entfalten und einander helfen können. ༆

Hoffnung wird durch Erfahrung real. Freundschaft, gegenseitige Hilfe, Autonomie, Selbstversorgung, Gärten, Zusammenarbeit, direktes Handeln und funktionierende Alternativen geben Menschen schon heute Teile einer anderen Lebensweise. Vorwegnahme verteilt praktische Fähigkeiten, bevor zentralisierte Autorität verschwindet. Je besser Menschen ihre Bedürfnisse durch freie Assoziation, gegenseitige Hilfe, unabhängiges Wissen und Alternativen erfüllen können, desto geringer wird ihre Abhängigkeit von zentralisierten Institutionen.

Gewaltsame Revolution birgt das Risiko, in die entgegengesetzte Richtung zu führen. Eine bestehende Regierung zu zerstören, zerstört nicht unbedingt die Struktur konzentrierter Macht. Bewaffnete Organisationen konzentrieren Waffen, Geheimhaltung, Befehlsgewalt, Aufklärung, Logistik und Einsatzfähigkeit. Wenn die bestehende Regierung zusammenbricht, bevor Macht und Fähigkeiten verteilt wurden, ist die Organisation mit der größten Fähigkeit zur Gewaltanwendung auch in der Lage, das entstehende Machtvakuum zu füllen. Der Herrscher wechselt, während die Struktur weiterhin zur Übernahme bereitsteht.

Gewaltfreiheit bedeutet weder Pazifismus noch den Verzicht auf Selbstverteidigung. Gewalt zur Verteidigung kann nötig sein, wenn sich unmittelbarer Schaden anders nicht stoppen lässt. Das Ziel ist, Herrschaft zu beenden, nicht Gewalt zum Organisationsprinzip der Befreiung zu machen. Gewalt bleibt das letzte Mittel.

Die Fähigkeit zur Selbstverteidigung kann dauerhaft bestehen, während ihr Einsatz verteidigend und vorübergehend bleibt. Ein Machtgleichgewicht hält Verteidigungsfähigkeit verteilt und anfechtbar, während freie Assoziation verhindert, dass vorübergehende Gewalt zu einer dauerhaften Autoritätsstruktur wird.

Anhaltende Bedrohungen erfordern Vorbereitung, verlässliche Vorräte, geteilte Informationen und Koordination zwischen Assoziationen. Menschen können erfahrenen Personen bestimmte Verteidigungsaufgaben anvertrauen und deren Rollen dabei auf ihre Aufgabe begrenzen und anfechtbar halten. Gerade bei der Verteidigung ist die Gefahr besonders groß, denn Verteidigungsfähigkeit kann selbst zu einer neuen Machtkonzentration werden. Diese Unterscheidung hat nur Bestand, solange Waffen, Vorräte und Hilfe von außen nicht unter der ausschließlichen Kontrolle einer einzigen Gruppe stehen.

Verteilte Verteidigung birgt noch eine andere Gefahr: Die Vorbereitungen einer Assoziation können eine andere beunruhigen, deren Reaktion dann die Befürchtungen der ersten scheinbar bestätigt. Wo möglich, können direkter Kontakt, unabhängige Prüfung alarmierender Behauptungen und gegenseitige Grenzen für die Mobilisierung beiden Seiten Wege eröffnen, sich zurückzunehmen, ohne die Fähigkeit zur Selbstverteidigung aufzugeben.

Koordination im Notfall muss auf die Aufgabe beschränkt und anfechtbar bleiben. Auch verteilte Verteidigung kann unterliegen; zentrale Befehlsgewalt garantiert ebenfalls kein Überleben.

Freiheit sollte nicht erst nach dem Kampf eintreten. Sie sollte in der Art erkennbar sein, wie der Kampf geführt wird.

Die 3,5-Prozent-Regel

Gesellschaftlicher Wandel erfordert nicht, dass sich eine ganze Bevölkerung zugleich erhebt.

Untersuchungen von Erica Chenoweth und Maria Stephan ergaben, dass große gewaltfreie Kampagnen für einen Regimewechsel, für Unabhängigkeit oder für das Ende einer Besatzung zwischen 1900 und 2006 mehr als doppelt so häufig erfolgreich waren wie gewaltsame Kampagnen.

Die 3,5-Prozent-Regel wurde später aus diesen Untersuchungen abgeleitet: Im ursprünglichen Datensatz scheiterte keine gewaltfreie Kampagne, die auf ihrem Höhepunkt mindestens 3,5 Prozent der Bevölkerung aktiv mobilisierte.

Die Regierung wirkt nicht allein durch Polizei und Militär. Sie ist darauf angewiesen, dass Menschen in der gesamten Gesellschaft weiterhin arbeiten, gehorchen, Befehle durchsetzen, Mittel bewegen, Infrastruktur erhalten und ihre Autorität akzeptieren. Die Regierung braucht die Zusammenarbeit von viel mehr Menschen, als tatsächlich regieren.

Aktiv Beteiligte sind nur ein Teil dieses Drucks. Wenn Teilnahme und Verweigerung sich ausbreiten, wird Zusammenarbeit unzuverlässiger. Beschäftigte machen nicht mehr mit. Befehle werden nicht umgesetzt. Unterstützer wechseln die Seite. Menschen innerhalb der Institutionen setzen Anweisungen nicht mehr durch. Institutionen beginnen zu versagen. Das Machtgleichgewicht verschiebt sich, weil die Struktur die menschliche Zusammenarbeit verliert, die sie zum Fortbestehen braucht.

Gewaltfreie Bewegungen können viel mehr Menschen beteiligen, weil Widerstand nicht von allen verlangt, Soldaten zu werden. Menschen können streiken, boykottieren, sich verweigern, Unterstützung entziehen, Mittel bereitstellen, anderen Unterkunft geben oder schlicht die Zusammenarbeit einstellen.

Spätere Untersuchungen ergaben, dass gewaltfreie Kampagnen nach 2010 seltener erfolgreich waren. Chenoweth verweist sowohl darauf, dass Regierungen ihre Gegenstrategien angepasst haben, als auch darauf, dass Bewegungen häufiger auf schnelle Mobilisierung setzten, ohne die Organisation, Strategie und Ausdauer zu haben, die für anhaltenden Druck nötig sind. Mobilisierung kann ein Zeitfenster öffnen. Fehlen dahinter aber dauerhafte Organisation und praktische Handlungsfähigkeit, kann es sich schließen, bevor die Bedingungen für bleibenden Wandel geschaffen sind.

Die 3,5-Prozent-Regel ist kein Gesetz und keine garantierte Schwelle. Die meisten erfolgreichen gewaltfreien Bewegungen erreichten nie 3,5 Prozent, und spätere Forschung fand eine augenscheinliche Ausnahme. Es handelt sich um ein historisches Muster, nicht um eine Erfolgsformel.

Die Lehre der 3,5-Prozent-Regel ist nicht, dass genau 3,5 Prozent einer Bevölkerung jede Regierung zur Aufgabe zwingen können.

Sie lautet: Wandel erfordert kein einmütiges Erwachen.


Direktes Handeln

Direktes Handeln bedeutet, ein Problem unmittelbar anzugehen, statt eine Autorität zu bitten, es für uns zu lösen. Wer Reformen durch Autorität sucht, überträgt den Wandel nach oben. Direktes Handeln lässt die Initiative bei den Betroffenen.

Was wir sehen, ist nicht einfach Korruption. Das System folgt den Anreizen und Machtkonzentrationen, die in ihm angelegt sind. Andere Vertreter zu wählen, kann Entscheidungen ändern, lässt aber die Maschinerie der Autorität bestehen. Repräsentative Politik verdeckt den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung hinter Schichten von Bürokratie: Menschen handeln und warten dann darauf, dass Institutionen entscheiden, was geschieht. Direktes Handeln schafft Veränderung hier und jetzt. Menschen sehen das Ergebnis, prüfen es und bauen darauf auf.

Direktes Handeln braucht keine Erlaubnis. Menschen benötigen keine Genehmigung von oben, um zusammenzuarbeiten, Probleme zu lösen, ihre Unterstützung zu entziehen oder Alternativen zu schaffen. Wandel kann überall dort beginnen, wo Menschen bereits handeln können, und sich dann von unten ausbreiten, wenn andere übernehmen, was funktioniert.

Menschen an der Basis haben Macht, weil Hierarchie nicht von selbst funktioniert. Ein Streik macht diese Abhängigkeit sofort sichtbar. Ein Generalstreik kann große Teile der Maschinerie zugleich anhalten. Ein wilder Streik zeigt, dass Beschäftigte ihre gemeinsame Macht einsetzen können, ohne auf eine Genehmigung der Institutionen zu warten, die sie vertreten.

Direktes Handeln macht diese Abhängigkeit zum Druckmittel. Der Unterschied liegt zwischen dem Widerstand gegen eine Struktur und dem Entzug dessen, was sie zum Funktionieren braucht. Verweigerung und Rückzug verändern die Beziehung selbst.

Direktes Handeln baut Alternativen auf, die Hierarchie weniger notwendig machen. Gegenseitige Hilfe, Selbstversorgung, unabhängiger Austausch, Genossenschaften und parallele Institutionen geben Menschen die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse unmittelbarer zu erfüllen.

Beide Seiten stärken einander. Die Maschinerie anhalten und zugleich Alternativen aufbauen. Widerstand verringert die Handlungsfähigkeit der Hierarchie. Aufbau verringert die Abhängigkeit von ihr.

Menschen können den Gehorsam verweigern und notwendige Arbeit zugleich durch direkte Zusammenarbeit mit denen aufrechterhalten, die auf sie angewiesen sind. Vorübergehende Unterbrechung kann Druck erzeugen. Es bleibt jedoch die Frage, wer ihre Kosten trägt. Wenn dieser Druck darauf beruht, Menschen etwas zu entziehen, die wenig Kontrolle über die angegriffene Struktur haben, wälzt der Widerstand die Kosten seines Drucks auf sie ab. Ein anhaltender Rückzug aus unentbehrlichen Aufgaben erfordert Ersatzwege oder fortgesetzten Zugang. Widerstand, der seine eigenen Alternativen auszehrt, verstärkt den Ruf nach wiederhergestellter Befehlsgewalt.

Auch der Aufbau kann eigenen Druck erzeugen. Sind Menschen erst von etwas abhängig, das geschaffen wurde, haben diejenigen, die es am Laufen halten, durch eine Unterbrechung mehr zu verlieren und können bei Konfrontationen vorsichtiger werden. Widerstand wiederum kann die Alternativen gefährden, die Menschen bewahren wollen. Diese Spannung nimmt ab, wenn Alternativen durch redundante Mittel und Ausweichwege Unterbrechungen überstehen und wenn Widerstand der Hierarchie entzieht, was sie braucht, ohne die Fähigkeiten zu zerstören, auf die Menschen angewiesen sind.

Direktes Handeln wird zur Vorwegnahme, weil Menschen eine freie Welt durch die Beziehungen und Institutionen aufbauen, die sie jetzt schaffen, statt die Freiheit auf einen künftigen Sieg zu verschieben.

Keine einzelne Handlung muss das gesamte System verändern. ༆ Jede gelungene Handlung kann jetzt etwas lösen, die Autonomie stärken und weiteres Handeln ermöglichen. Indem diese Fähigkeiten sich von unten verbinden und verstärken, verschieben sie das Machtgleichgewicht.

Der Garten

Eine freie Welt muss nicht überall zugleich beginnen. Sie beginnt dort, wo Menschen wieder fähig werden, für sich und füreinander zu sorgen. Baut selbst etwas Essbares an. Lernt nützliche Fähigkeiten. Teilt Werkzeuge. Arbeitet mit Menschen zusammen, denen ihr vertraut. Unterstützt örtliche Erzeuger und Genossenschaften. Beginnt mit etwas Nützlichem, das Bestand haben und sich verbreiten kann.

Der Garten ist sowohl ganz konkret gemeint als auch ein Beispiel dafür, wie Menschen sich organisieren können. Ein Garten macht aus Land, Wissen, Arbeit und Zusammenarbeit etwas, das Menschen unmittelbar nutzen können. Eine gemeinsame Werkstatt bietet Menschen einen Ort, an dem sie herstellen und reparieren können, was sie brauchen. Bauernmärkte bringen Erzeuger und Käufer in direkten Austausch. All das verkürzt den Weg zwischen einem Bedürfnis und den Menschen, die es erfüllen können.

Es geht nicht um ein bestimmtes Wirtschaftsmodell.

Selbstversorgung wird durch Zusammenarbeit stärker, nicht durch Isolation. Ein Mensch kann nicht alles tun und sollte es auch nicht müssen. Menschen entwickeln unterschiedliche Fähigkeiten, teilen Arbeit auf, tauschen ihre Erzeugnisse und helfen dort, wo ihre Fähigkeiten am meisten bewirken. Wenn sich Gärten mit Küchen, Werkstätten, Genossenschaften, örtlichen Erzeugern und Angeboten in der Nachbarschaft verbinden, bilden einzelne Projekte allmählich ein größeres Netzwerk praktischer Unabhängigkeit. Je mehr Wissen, Werkzeuge und produktive Fähigkeiten Menschen selbst besitzen, desto mehr Wahlmöglichkeiten haben sie bei den Beziehungen, von denen ihr Leben abhängt.

Baut vor Ort etwas auf. Lernt eure Nachbarn kennen. Schließt Freundschaften, indem ihr gemeinsam Nützliches tut. Menschen können sehen, was fehlt, was immer wieder scheitert und was andere tatsächlich brauchen. Probleme lassen sich leichter angehen, wenn die Betroffenen unmittelbar mit denen sprechen können, die helfen können.

Diese Beziehungen können nach außen wachsen, ohne nach oben zu wachsen. Verschiedene Gruppen können sich spezialisieren und dabei autonom bleiben, indem sie dort direkt Verbindung aufnehmen, wo Zusammenarbeit ihnen hilft. Keine einzelne Organisation muss alles bereitstellen oder das Ganze kontrollieren. Ein dichtes Geflecht überlappender Assoziationen gewinnt durch ihre Vielfalt an Stärke: viele Fähigkeiten, viele Beziehungen, viele Quellen, viele Wege, um Ausfälle zu umgehen.

Entscheidend ist nicht, ob sich etwas „Alternative“ nennt. Alternativen haben ihre eigenen Anreizstrukturen. Deshalb gilt dieselbe Frage: Was fördern sie in der Praxis? Eine Genossenschaft, die Befehlsgewalt wiederherstellt, hat wenig verändert. Die praktische Prüfung lautet: Können Menschen die Arbeitsweise ändern, die Bedingungen ablehnen oder gehen, ohne dadurch ihre einzige Möglichkeit zu verlieren, ein Grundbedürfnis zu erfüllen?

Ein Garten, der nur von einer Wasserquelle abhängt, oder eine Werkstatt, die nur vom Wissen einer Person abhängt, bleibt an dieser Stelle verwundbar. Fähigkeiten, die man weitergeben kann, Verfahren, die sich nachmachen lassen, gemeinsam genutzte Werkzeuge und Vorräte aus mehreren Quellen halten nützliche Arbeit am Laufen, ohne jemanden unentbehrlich zu machen.

Eine vollständige Trennung von der bestehenden Welt ist nicht nötig. Beginnt mit dem, was sich näher an direkte Beziehungen heranbringen lässt: eine Nahrungsquelle, eine Fähigkeit, ein Werkzeug, eine Dienstleistung, ein gemeinsames Projekt, eine stärkere Freundschaft. Jede Verlagerung ist klein, hinterlässt aber etwas, worauf die nächste aufbauen kann. Mit der Zeit werden aus einzelnen Projekten Netzwerke, Netzwerke werden widerstandsfähig, und Abhängigkeit beginnt sich zu verteilen.

Ein Garten braucht keine Erlaubnis, um zum Wald zu werden. Er wächst, wo Raum ist, verzweigt sich, wo die Bedingungen es zulassen, verbindet sich mit dem, was bereits lebt, und bildet Samen für weiteres Wachstum. Baut eine freie Welt auf dieselbe Weise: örtlich, direkt, friedlich und von unten nach außen.


Das Zeitfenster

Eine freie Welt wird vor dem revolutionären Umbruch aufgebaut, nicht danach.

Wer die Menschen absetzt, die zentralisierte Institutionen kontrollieren, verteilt dadurch noch nicht die praktischen Möglichkeiten, die zuvor in diesen Institutionen gebündelt waren. Lebensmittel müssen weiterhin transportiert werden. Menschen brauchen weiterhin sauberes Wasser, Medizin, Unterkunft, Kommunikation, Verkehr, Schutz und Wege, Konflikte zu lösen. Bleiben diese Fähigkeiten konzentriert, erbt enorme Macht, wer sie am schnellsten wiederherstellt.

Die entscheidende Arbeit findet daher vor dem sichtbaren Wendepunkt statt.

Eine freie Gesellschaft entwickelt sich allmählich durch Beziehungen, Fähigkeiten, Institutionen und Infrastruktur, die bereits ohne zentrale Befehlsgewalt funktionieren. Netzwerke gegenseitiger Hilfe, lokale Systeme der Lebensmittelversorgung, Genossenschaften, unabhängige Kommunikation, verteilte Energieversorgung, Reparaturkapazitäten, offenes Wissen, Pflegenetzwerke, Konfliktlösung und dezentrale Selbstverteidigung verlagern praktische Fähigkeiten weg von zentralisierten Institutionen in die Hände der Menschen, die auf diese Fähigkeiten angewiesen sind.

Das ist die strategische Bedeutung der Vorwegnahme: das Neue in der Hülle des Alten aufzubauen. Der sichtbare Bruch kann plötzlich eintreten. Die Fähigkeit, ihn zu überstehen, entwickelt sich langsam.

Der Übergang erfordert keinen einzigen klaren Bruch. Alte Institutionen können vorherrschend bleiben, während neue Beziehungen neben ihnen entstehen. Manche Aufgaben können rasch dezentralisiert werden, andere bleiben viel länger zentralisiert. Menschen können Möglichkeiten innerhalb bestehender Strukturen weiterhin nutzen, wenn das ihre praktische Autonomie oder ihre Fähigkeit stärkt, sich außerhalb dieser Strukturen zu organisieren. Diese Möglichkeiten lassen sich nutzen, ohne die bestehende Struktur zum Mittel des Wandels zu machen. Die entstehende Welt wird anfangs unvollständig, mit Kompromissen behaftet und mit der alten Welt verflochten sein.

Wenn eine Alternative von denselben zentralisierten Institutionen abhängt, die sie ersetzen soll, kann sie vereinnahmt werden, ohne das Machtgleichgewicht zu verändern.

Eine Alternative kann etwas bereitstellen, was Menschen brauchen, und dennoch auf Land, Vorräte, Infrastruktur oder andere Mittel angewiesen sein, die von der alten Struktur kontrolliert werden. Dadurch kann die alte Struktur einen Teil ihrer Last abgeben und zugleich einen großen Teil der Macht behalten, die ihr diese Abhängigkeit verschafft. Eine Aufgabe zu übernehmen ist nicht dasselbe wie eine Abhängigkeit zu ersetzen; das Gleichgewicht verschiebt sich erst, wenn Menschen besser in der Lage sind, weiterzumachen, ohne dass die alte Struktur kontrolliert, worauf sie angewiesen sind.

Alternativen können unterdrückt werden, sobald sie zentralisierte Aufgaben ersetzen könnten. Während Alternativen die Abhängigkeit von zentralisierten Institutionen verringern, können diese Institutionen auch stärkere Anreize entwickeln, sie einzudämmen. Wo Unterdrückung noch jede Bezugsquelle abschneiden kann, schützt bloße Streuung nicht. Geteiltes Wissen und Unterstützung zwischen unabhängigen Netzwerken lassen die Arbeit weitergehen, wenn ein Ort oder eine Organisation verloren geht. So bleibt keine einzelne Struktur, deren Beseitigung die Alternative auslöschen könnte.

Vorwegnahme baut das Sicherheitsnetz, das verhindert, dass der Zusammenbruch von Institutionen zum Zusammenbruch der Gesellschaft wird.

Das Ziel ist nicht, außerhalb der Gesellschaft eine einzige makellose Enklave zu schaffen. Es ist, Räume zu vervielfachen, in denen Menschen Probleme durch andere Beziehungen lösen können, diese Räume horizontal miteinander zu vernetzen und immer mehr vom Alltag allmählich in sie zu verlagern. Jede Abhängigkeit, die durch eine freiwillige Alternative ersetzt wird, schwächt die Druckmittel des alten Systems. ༆ Jede Beziehung gegenseitiger Unterstützung stärkt die Fähigkeit der Menschen, sich zu verweigern.

Der Übergang kann sich allmählich aufbauen und rasch Wirkung entfalten.

Das Zeitfenster öffnet sich, wenn zentralisierte Institutionen so viel Handlungsfähigkeit oder Legitimität verlieren, dass Ordnungen, die man bislang für dauerhaft hielt, verhandelbar werden. Dazu ist kein völliger Zusammenbruch der Zivilisation nötig. Eine Lieferkette bricht ab. Eine Regierung verliert Legitimität. Ein Unternehmen verlässt eine Stadt. Ein Stromnetz fällt aus. Eine Währung wird unzuverlässig. Ein Streik legt den normalen Betrieb lahm. Ein Monopol kann nicht mehr liefern, worauf Menschen angewiesen sind. Zentralisierte Systeme versagen ungleichmäßig, je nach Ort, Bereich und Aufgabe.

Jeder Ausfall schafft eine Gelegenheit, bei der Alternativen einen Teil dessen übernehmen können, was die alte Struktur nicht mehr bereitstellt.

Solche Möglichkeiten können wiederholt auftreten. Parallele Institutionen entwickeln sich in verhältnismäßig stabilen Zeiten. Ein zentralisiertes System wird schwächer. Bestehende Alternativen übernehmen einige seiner Aufgaben. Sie festigen sich, lernen, verbinden sich und gehen mit mehr Fähigkeiten als zuvor in die nächste Krise. Die alte Hierarchie kann überleben. Doch jeder Zyklus kann Menschen weniger abhängig von ihr zurücklassen.

Das ist keine Strategie des Wartens auf den Zusammenbruch. Es ist Vorbereitung auf Bedingungen, die niemand zuverlässig vorhersagen kann.

Wenn zentralisierte Institutionen schwächer werden, entsteht Freiheit nicht automatisch. Eine Krise erzeugt Angst, Knappheit, Unsicherheit und das Verlangen nach verlässlicher Ordnung. Diese Bedingungen können gegenseitige Hilfe stärken, aber auch Faschismus, Militarismus, organisierte Kriminalität, religiösen Autoritarismus oder eine neue Regierung, die verspricht, die Stabilität wiederherzustellen.

Ein Machtvakuum entsteht, wenn Aufgaben nicht mehr zuverlässig erfüllt werden und Menschen Ersatz dafür brauchen. Wodurch es gefüllt wird, hängt davon ab, wer diese Bedürfnisse erfüllen kann.

Wer Nahrung, Medizin, Kommunikation, Transport, Schutz und funktionierende Infrastruktur bereitstellen kann, gewinnt enormen Einfluss. Wenn nur autoritäre Organisationen dazu fähig sind, können verängstigte Menschen Befehlsgewalt akzeptieren, weil Hierarchie als einzige noch funktionierende Struktur erscheint.

Deshalb ist Vorwegnahme auch Vorsorge dagegen, dass eine neue autoritäre Macht übernimmt. Parallele Institutionen, die vor einer Krise entstanden sind, geben den Menschen einen anderen Ort, an den sie sich wenden können. Verteilte Fähigkeiten, bestehende Beziehungen, funktionierende Netzwerke und Erfahrung in Zusammenarbeit ohne Befehlsgewalt verringern das Vakuum, das ein zentralisierter Zusammenbruch sonst schaffen würde.

Ohne diese Alternativen beseitigt ein Zusammenbruch die Abhängigkeit nicht. Er verschärft sie.

Alternativen müssen auch funktionieren. Wenn Beteiligung freie Zeit, Geld oder Sicherheit erfordert, ist sie für Menschen am schwierigsten, die bereits unter dem größten Druck stehen. Die meisten Menschen werden keine vollständige Philosophie annehmen, bevor sie mitmachen. Vielleicht kommen sie, weil Essen bezahlbar ist, Kinderbetreuung verlässlich, die Nachbarschaft sicherer, die Reparaturwerkstatt Geld spart oder die Beteiligten sie würdevoll behandeln. Freie Assoziation, gegenseitige Hilfe und spontane Ordnung sind stärkere Argumente, wenn Menschen sie unmittelbar erleben können.

Der Maßstab ist praktisch: Erfüllt die Alternative ein wirkliches Bedürfnis, stärkt sie die Autonomie und verteilt sie Fähigkeiten auf mehr Menschen?

Ein Projekt, das unter Druck nicht funktioniert, wird Menschen nicht durch eine Krise tragen. Ein Projekt, das durch die Konzentration von Kontrolle funktioniert, kann schlicht zur nächsten Hierarchie werden. Eine Alternative funktioniert nur, wenn ihre Methoden Autonomie und freie Assoziation bewahren.

Prüft, ob die Ersatzlösung trägt, bevor ihr euch darauf verlasst: Kann die Versorgung weitergehen, wenn Geld ausbleibt, ein Lieferant ausfällt oder wichtige Menschen gehen? Gewöhnliche Ausfälle und tatsächliche Übergaben zeigen, was von zentralisierten Institutionen noch abhängt. Ein plötzlicher Zusammenbruch kann eintreten, bevor diese Arbeit ausreicht. Dann haben die Sicherung von Vorräten, Instandhaltung und Pflege Vorrang vor der Ausrufung von Unabhängigkeit; vorübergehende Abhängigkeit begründet kein dauerhaftes Recht zu befehlen.

Diese Prozesse laufen gleichzeitig: Fähigkeiten aufbauen, die heute Bedürfnisse erfüllen, und diese Fähigkeiten nutzen, um die Abhängigkeit von Herrschaft zu verringern. Ohne Aufbau kann Widerstand ein Vakuum hinterlassen. Ohne Widerstand können Alternativen im bestehenden System eingeschlossen bleiben.

Das Ziel ist, zentralisierte Institutionen Schritt für Schritt weniger notwendig zu machen.

Aufgaben können schrittweise verlagert werden. Wissen kann der zentralisierten Kontrolle entzogen werden. Vorübergehende gegenseitige Hilfe kann zu dauerhafter gesellschaftlicher Infrastruktur werden. Informelle Versorgungswege können zu beständigen Netzwerken werden. Gemeinschaften können bewahren, was sich in Notlagen bewährt hat. Selbst gescheiterte Projekte können Fähigkeiten, Beziehungen, Werkzeuge und Wissen hinterlassen, die den nächsten Versuch stärken.

Was Menschen bisher aufgebaut haben, bestimmt nicht die Grenzen dessen, was sie aufbauen können. Wenn menschlicher Erfindungsreichtum freigesetzt wird, stößt das Neuerungen an und rückt in Reichweite, was zuvor unmöglich schien.

Erfolg muss nicht wie der Sturz einer Regierung oder das Hissen einer Flagge über ihren Gebäuden aussehen. Er kann sich als langer Bedeutungsverlust zentralisierter Institutionen zeigen, während ihre nützlichen Aufgaben anderswo übernommen werden.

Der entscheidende Sieg besteht nicht darin, die Maschinerie zu übernehmen.

Er besteht darin, sie unnötig zu machen.

Wann sich das nächste große Zeitfenster öffnet, ist ungewiss. Systeme können Instabilität überstehen, Widerstand aufnehmen, ihre Führung wechseln, Kosten verlagern, sich reformieren oder zu Repression greifen. Eine Strategie, die von der Vorhersage eines Zusammenbruchs abhängt, ist anfällig.

Vorwegnahme setzt keine Vorhersage voraus. Besteht das bisherige System weiter, verbessern unabhängige Beziehungen und Fähigkeiten das Leben schon jetzt. Verfällt es allmählich, können Alternativen die Aufgaben übernehmen, die es aufgibt. Treten Krisen wiederholt auf, kann die parallele Gesellschaft aus jedem Zeitfenster gestärkt hervorgehen. Kommt ein größerer Bruch, geben Netzwerke mit Vorräten, Fähigkeiten und bereits funktionierenden Beziehungen den Menschen Alternativen, die verhindern können, dass eine weitere zentralisierte Autorität das entstehende Vakuum füllt.

Das Zeitfenster ist deshalb nichts, worauf man warten sollte.

Es ist etwas, auf das wir hinarbeiten.

Eine freie Welt wächst, während die Hierarchie noch dauerhaft erscheint. Jeder Garten, jede Freundschaft, jede Genossenschaft, jede Fähigkeit, jedes Netzwerk, jede Tat gegenseitiger Hilfe und jede unabhängige Quelle praktischer Handlungsfähigkeit schafft einen weiteren Ort, von dem aus Menschen ohne Erlaubnis handeln können. Wenn sich diese Alternativen verbinden, verteilen sich Abhängigkeiten auf viele Beziehungen, und ein Machtgleichgewicht nimmt Gestalt an.

Wenn sich das nächste Zeitfenster öffnet, muss Freiheit nicht bei null beginnen.

Eine freie Welt wird bereitstehen.

Vox Libera

Die Ausgangsbasis

„Nichts ist gefährlicher als eine dogmatische Weltanschauung – nichts engt stärker ein, macht blinder für Neuerungen oder zerstört die Offenheit für Neues gründlicher.“ — Stephen Jay Gould

„Es ist wichtig, den unbewussten Dogmatismus zu überwinden, der Menschen glauben lässt, ihre Sicht auf die Wirklichkeit sei die einzig vernünftige Art, die Welt zu betrachten. Mein Ziel ist es, Menschen in einen Zustand allgemeinen Agnostizismus zu bringen: nicht allein in Bezug auf Gott, sondern in Bezug auf alles. Wenn man die Dinge nur durch das eigene Glaubenssystem sehen kann, wird man praktisch taub, stumm und blind. Andere Menschen kann man nur wirklich sehen, wenn man die Welt auch mit ihren Augen sehen kann. Das ist Guerilla-Ontologie: diese Sichtweise, die nur ein Modell zulässt, aufzubrechen und den Menschen eine Sichtweise zu eröffnen, die mehrere Modelle zulässt.“ — Robert Anton Wilson, Interview „Searching for Cosmic Intelligence“ mit Jeffrey Elliot (1980)

„Bestimmte Begriffe und Ideen lassen sich als ‚Antibegriffe‘ erkennen. Es sind Begriffe, die unser Verständnis tatsächlich verschleiern, statt es zu fördern, und es uns erschweren, andere durchaus sinnvolle Begriffe zu erfassen. Eine wichtige Art von Antibegriffen ist der sogenannte ‚Paketbegriff‘: ein Begriff, dessen Bedeutung die unausgesprochene Annahme verbirgt, dass bestimmte Dinge zusammengehören, obwohl sie es in Wirklichkeit nicht tun.“ — Roderick T. Long

„Mit anderen Worten: Es gibt kein einheitliches Muster. Das einzig Beständige ist gerade die Tatsache des Wandels und das daraus erwachsende Bewusstsein verschiedener gesellschaftlicher Möglichkeiten.“ — David Graeber und David Wengrow, The Dawn of Everything

Anreizstruktur

„Wie alle Lebewesen passt sich der Mensch den Bedingungen an, unter denen er lebt, gewöhnt sich an sie und vererbt seine erworbenen Gewohnheiten. So glaubte der Mensch, als er zu denken begann – geboren und aufgewachsen in Knechtschaft, Nachkomme einer langen Reihe von Sklaven –, Sklaverei sei eine notwendige Bedingung des Lebens; Freiheit erschien ihm unmöglich.“ — Errico Malatesta

„Es ist schwer, jemandem etwas begreiflich zu machen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht begreift!“ — Upton Sinclair, I, Candidate for Governor: And How I Got Licked (1935)

„Bisher haben wir Anreize aus Sicht der Public-Choice-Theorie untersucht, die annimmt, dass Menschen in der Politik grundsätzlich dieselben sind wie außerhalb. Doch diese Annahme ist in Bezug auf die Politik womöglich zu optimistisch. Denn die institutionellen Filter der Politik wählen letztlich diejenigen aus, für die Machtpositionen anziehend sind. Anständige, mitfühlende Menschen möchten nicht als Aufseher auf einer Sklavenplantage arbeiten. Aus demselben Grund werden Menschen, die ihre Laufbahn als Gefängniswärter, Polizisten, Staatsanwälte, Grenzschutzbeamte, Generäle und Präsidenten verbringen, tendenziell damit einverstanden sein, Macht nach eigenem Ermessen und gewaltgestützte Autorität über andere auszuüben. Selbst wenn prinzipientreue Menschen eine Weile solche Positionen besetzen, werden sie wahrscheinlich rasch durch Ehrgeizige ersetzt, die bereit sind, ihre Grundsätze zu verbiegen, um Machtpositionen zu gewinnen und zu behalten. So schaffen Machtsysteme institutionelle Filter und Auswahleffekte mit einer einfachen, verheerenden Folge: Die Schlimmsten kommen nach oben.“ — Nathan Goodman, Abolition: An Economist’s Perspective ๖

„Heute werden Beschäftigte durch eine Vielzahl von Vorschriften, Steuern, Gesetzen zum geistigen Eigentum und Unternehmenssubventionen behindert, die insgesamt den Markteintritt möglicher anderer Arbeitgeber und den Weg in die Selbstständigkeit erschweren.“ — Sheldon Richman

„Tatsächlich ist das kapitalistische System durch die strukturelle Präsenz staatlich gebilligter Monopole definiert.“ — Eric Fleischmann

„Darüber hinaus bedeutet das Monopol der Regierung über das Tauschmittel die Macht, Schulden statt Zahlungsfähigkeit als Kreditmittel zur Erleichterung des Austauschs einzusetzen und, gestützt auf dieses Monopol, Austausch zu verhindern, bis zunächst Abgaben zugunsten Privilegierter entrichtet werden.“ — Dyer D. Lum

„Heute sieht niemand — oder will sehen —, dass in unserer Zeit die Versklavung der Mehrheit der Menschen auf Geldsteuern beruht – auf Steuern auf Grund und Boden und anderen Geldabgaben –, die die Regierung von ihren Untertanen erhebt.“ — Leo Tolstoi, Was sollen wir tun?, Kapitel XX

„Durch einen fortlaufenden Prozess der Inflation können Regierungen heimlich und unbemerkt einen erheblichen Teil des Vermögens ihrer Bürger beschlagnahmen. Dabei beschlagnahmen sie nicht nur Vermögen, sondern tun dies willkürlich; und während der Vorgang viele verarmen lässt, bereichert er tatsächlich einige.“ — John Maynard Keynes, The Economic Consequences of the Peace

„Der Kapitalismus ist überall gleich. Um zu überleben und zu gedeihen, braucht er einen dauerhaften Zustand teilweiser Knappheit: Er braucht ihn, um seine Preise aufrechtzuerhalten und hungrige Massen zu schaffen, die bereit sind, unter allen Bedingungen zu arbeiten.“ — Errico Malatesta

„Irgendwie interessieren mich das Gewicht und die Windungen von Einsteins Gehirn weniger als die nahezu sichere Überzeugung, dass Menschen mit gleichen Begabungen auf Baumwollfeldern und in Sweatshops gelebt haben und gestorben sind.“ — Stephen Jay Gould

„Denn was man heute Kriminelle nennt, sind überhaupt keine Kriminellen. Hunger, nicht Sünde, ist die Mutter der modernen Kriminalität.“ — Oscar Wilde, The Soul of Man under Socialism

„Sklaverei, Protektionismus und Monopol finden ihre Verteidiger nicht nur unter denen, die davon profitieren, sondern auch unter denen, die darunter leiden.“ — Frédéric Bastiat

„Die Klasse, die die Macht hat, im großen Maßstab zu rauben, hat auch die Macht, die Regierung zu kontrollieren und ihren Raub zu legalisieren.“ — Eugene Debs

„Wenn Plünderung für eine Gruppe von Menschen in einer Gesellschaft zur Lebensweise wird, schafft sie sich mit der Zeit ein Rechtssystem, das sie erlaubt, und einen Moralkodex, der sie verherrlicht.“ — Frédéric Bastiat

„Nun kann legale Plünderung auf unendlich viele Arten begangen werden. Daher gibt es unendlich viele Pläne, sie zu organisieren: Zölle, Protektionismus, Leistungen, Subventionen, Förderungen, progressive Besteuerung, öffentliche Schulen, garantierte Arbeitsplätze, garantierte Gewinne, Mindestlöhne, ein Recht auf Unterstützung, ein Recht auf Arbeitsmittel, kostenlose Kredite und so weiter und so fort.“ — Frédéric Bastiat, The Law

Hierarchie

„Die meiste Autorität beginnt als rohe Macht eines Gangsters und entwickelt sich zur ‚legitimen‘ Autorität stillschweigender Duldung. So verlief zweifellos die Geschichte des Nationalstaats. Fried stellt fest, dass Legitimität das Mittel ist, mit dem Ideologie und Macht vermischt werden. Ihre Funktion besteht darin, ‚die Existenz konzentrierter gesellschaftlicher Macht, die ein Teil der Gemeinschaft ausübt, zu erklären und zu rechtfertigen und in gleicher Weise bestimmte gesellschaftliche Ordnungen zu stützen, also bestimmte Arten, gesellschaftliche Macht aufzuteilen und ihren Fluss zu lenken‘.“ — Harold Barclay, People without Government ๖

„Autorität oder Regierung abzuschaffen heißt nicht, die individuellen oder gemeinsamen Kräfte zu zerstören, die in der Gesellschaft wirken, oder den Einfluss, den Menschen aufeinander ausüben. Das hieße, die Menschheit auf eine Ansammlung träger, getrennter Atome zu reduzieren – etwas Unmögliches, das, könnte man es verwirklichen, jede Gesellschaft zerstören und der Menschheit den Todesstoß versetzen würde. Autorität abzuschaffen heißt, das Monopol auf Gewalt und Einfluss abzuschaffen. Es heißt, einen Zustand zu beenden, in dem gesellschaftliche Kraft, also die gemeinsame Kraft aller in einer Gesellschaft, zum Werkzeug des Denkens, Wollens und der Interessen einiger weniger gemacht wird. Diese wenigen unterdrücken mithilfe der gemeinsamen Kraft die Freiheit aller anderen zugunsten ihrer eigenen Vorstellungen. Mit anderen Worten heißt es, eine Organisationsweise zu zerstören, durch die zwischen einer Revolution und der nächsten die Zukunft zugunsten derjenigen ausgebeutet wird, die gerade gesiegt haben.“ — Errico Malatesta

„Wo Autorität herrscht, gibt es keine Freiheit.“ — Pyotr Kropotkin

„Als Warren und Proudhon auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit für die Arbeit auf das Hindernis der Klassenmonopole stießen, erkannten sie, dass diese Monopole auf Autorität beruhten. Sie folgerten, dass man diese Autorität nicht stärken und das Monopol damit verallgemeinern sollte, sondern die Autorität vollständig entwurzeln und dem entgegengesetzten Prinzip, der Freiheit, freien Lauf lassen musste.“ — Benjamin R. Tucker

„Hierarchische Organisationen sind darauf ausgelegt, Korrelationen im menschlichen Verhalten vor allem durch die hierarchische Kontrollstruktur durchzusetzen. In einer idealen Hierarchie muss jeder Einfluss und jede Mitteilung zwischen zwei ‚Beschäftigten‘ über einen gemeinsamen Vorgesetzten laufen. Mit zunehmender Komplexität gemeinsamen Handelns wächst die Zahl unabhängiger Einflüsse, und ein Vorgesetzter kann sie nicht mehr alle verarbeiten und vermitteln. Mehr Vorgesetzte und eine kleinere Leitungsspanne (die Zahl der einer Führungskraft unterstellten Menschen) helfen. Doch diese Strategie scheitert, sobald die Komplexität gemeinsamen Handelns die Fähigkeiten eines einzelnen Menschen übersteigt. Netzwerke, die mehr direkte seitliche Beziehungen erlauben, haben diese Grenze nicht. Wenn gemeinsames Handeln komplexer wird, als ein einzelner Mensch bewältigen kann, werden hierarchische Kontrollen unwirksam. Hierarchisch kontrollierte Systeme müssen vernetzten Systemen weichen. An dem Punkt, an dem die gemeinsame Komplexität die eines Einzelnen erreicht, stößt weiteres Wachstum an die Grenzen hierarchischer Strukturen. Sie können keine höhere Komplexität bieten und müssen Strukturen weichen, in denen seitliche Beziehungen vorherrschen. Seitliche Beziehungen, welche die Kontrollfunktion ersetzen, waren in hierarchischen Strukturen zwar schon vorhanden; sie werden aber notwendig, wenn die hierarchische Kontrolle an der hohen Komplexität gemeinsamen Handelns scheitert.“ — Complexity Rising: From Human Beings to Human Civilization, a Complexity Profile

„Eine Zivilisation, die auf Autorität und Unterwerfung beruht, hat keine Mittel zur Selbstkorrektur. Wirksame Kommunikation fließt nur in eine Richtung: von der herrschenden Gruppe zur untergebenen Gruppe. Jeder Kybernetiker weiß, dass einem solchen einseitigen Kommunikationskanal die Rückkopplung fehlt und er sich nicht intelligent verhalten kann.“ — Robert Anton Wilson, „Thirteen Choruses for the Divine Marquis“, zitiert von Kevin Carson in The Desktop Regulatory State

„Der einzelne Akt des Gehorsams ist der Grundstein nicht nur der Stärke einer autoritären Gesellschaft, sondern auch ihrer Schwäche.“ — Robert Shea und Robert Anton Wilson, The Illuminatus! Trilogy

„Der Unterdrücker wäre nicht so stark, hätte er unter den Unterdrückten keine Komplizen.“ — Simone de Beauvoir

„[…] der Hauptfeind, der strategische Gegner, ist der Faschismus […] Und nicht nur der historische Faschismus, der Faschismus Hitlers und Mussolinis – der das Begehren der Massen so wirkungsvoll mobilisieren und nutzen konnte –, sondern auch der Faschismus in uns allen, in unseren Köpfen und in unserem alltäglichen Verhalten, der Faschismus, der uns die Macht lieben und gerade das begehren lässt, was uns beherrscht und ausbeutet.“ — Michel Foucault, Vorwort zu Anti-Oedipus

„Wenn Menschen ihre Freiheit so nutzen, dass sie ihre Freiheit aufgeben, sind sie danach etwa weniger versklavt? Wenn das Volk durch eine Volksabstimmung einen Menschen zum Despoten über sich wählt, bleibt es frei, weil es die Despotie selbst geschaffen hat? Sind die von ihm erlassenen Zwangsverordnungen legitim, weil sie letztlich aus den eigenen Stimmen des Volkes hervorgegangen sind? Dann könnte man ebenso gut behaupten, ein Ostafrikaner, der in Gegenwart eines anderen einen Speer zerbricht, um dessen Unfreier zu werden, behalte seine Freiheit, weil er seinen Herrn freiwillig gewählt hat.“ — Herbert Spencer, The Man Versus the State

„Ein Mensch ist nicht weniger Sklave, weil er alle paar Jahre einen neuen Herrn wählen darf.“ — Lysander Spooner, No Treason No. VI: The Constitution of No Authority

„Die freie Wahl von Herren schafft weder die Herren noch die Sklaven ab. Freie Wahl zwischen vielen Waren und Dienstleistungen bedeutet keine Freiheit, wenn diese Waren und Dienstleistungen gesellschaftliche Kontrolle über ein Leben voller Mühsal und Angst aufrechterhalten – wenn sie also Entfremdung aufrechterhalten. Und wenn ein Mensch auferlegte Bedürfnisse von selbst reproduziert, begründet das keine Autonomie; es bezeugt nur, wie wirksam die Kontrolle ist.“ — Herbert Marcuse, One-Dimensional Man

„Wer versucht, einen anderen zu kontrollieren, ist ein Herrscher, Angreifer und Eindringling. Das Wesen eines solchen Übergriffs ändert sich nicht, ob ihn ein Mensch an einem anderen begeht wie ein gewöhnlicher Verbrecher, ein Mensch an allen anderen wie ein absoluter Monarch oder alle anderen an einem Menschen wie in einer modernen Demokratie.“ — Benjamin R. Tucker, 1890

„Niemand ergreift je die Macht mit der Absicht, sie wieder abzugeben. Macht ist kein Mittel, sie ist ein Zweck. Man errichtet keine Diktatur, um eine Revolution zu schützen; man macht die Revolution, um die Diktatur zu errichten.“ — O’Brien in George Orwell, Nineteen Eighty-Four

Regierung

„Leider versteht man viel zu wenig, dass der Staat ebenso wenig eigene Macht wie eigenes Geld besitzt. Er hat nur die Macht, die die Gesellschaft ihm gibt, und die Macht, die er sich von Zeit zu Zeit unter diesem oder jenem Vorwand aneignet; eine andere Quelle staatlicher Macht gibt es nicht. Jede Übernahme von Macht durch den Staat, ob sie ihm übertragen oder von ihm ergriffen wird, lässt der Gesellschaft entsprechend weniger Macht. Staatliche Macht wird nie gestärkt und kann nie gestärkt werden, ohne dass der Gesellschaft zugleich ungefähr ebenso viel Macht entzogen wird.“ — Albert J. Nock ๖

„Das Kennzeichen des Staates ist Autorität, das Recht zu herrschen. Die wichtigste Verpflichtung des Menschen ist Autonomie, die Verweigerung, beherrscht zu werden.“ — Robert Paul Wolff

„Bei genauer Betrachtung ist Regierung nichts anderes als eine Gruppe fehlbarer Menschen mit der politischen Gewalt, so zu handeln, als wären sie unfehlbar.“ — Robert LeFevre

„Darin liegt der Unterschied, und er ist sehr wichtig. Wir erkennen die Unvollkommenheit der menschlichen Natur an, nehmen die Herrschenden davon aber nicht aus. Sie tun es, wenn auch manchmal unbewusst, und weil wir diese Ausnahme nicht machen, nennen sie uns Träumer, ‚unpraktische Menschen‘.“ — Pyotr Kropotkin

„Wenn die natürlichen Neigungen der Menschheit so schlecht sind, dass man Menschen nicht gefahrlos frei sein lassen kann, warum sollen die Neigungen dieser Organisatoren immer gut sein? Gehören Gesetzgeber und die von ihnen ernannten Beauftragten nicht ebenfalls zur menschlichen Gattung? Oder glauben sie, aus besserem Ton gemacht zu sein als die übrige Menschheit?“ — Frédéric Bastiat, The Law

„Die Gefahr besteht nicht darin, dass eine bestimmte Klasse zum Regieren ungeeignet wäre. Jede Klasse ist zum Regieren ungeeignet.“ — Lord Acton, Brief an Mary Gladstone (1881)

„Aber welcher Grund spricht für die Existenz einer Regierung? Warum die eigene Freiheit und die eigene Initiative zugunsten anderer Menschen aufgeben? Warum ihnen die Macht geben, mit oder gegen den Willen jedes Einzelnen Herren zu sein und über die Kräfte aller nach eigenem Gutdünken zu verfügen? Sind die Regierenden derart außergewöhnlich begabt, dass sie mit einem Anschein von Berechtigung die Massen vertreten und im Interesse aller Menschen besser handeln könnten, als diese Menschen selbst handeln können? Sind sie so unfehlbar und unbestechlich, dass man ihnen mit einiger Klugheit das Schicksal jedes Einzelnen und aller anvertrauen und auf ihr Wissen und ihre Güte bauen könnte? Und selbst wenn es Menschen von unendlicher Güte und Kenntnis gäbe, selbst wenn wir annähmen, was in der Geschichte nie geschah und nach unserer Überzeugung nie geschehen kann, nämlich dass die Regierung den Fähigsten und Besten zufiele: Würde der Besitz von Regierungsmacht ihrer hilfreichen Wirkung irgendetwas hinzufügen? Würde er sie nicht vielmehr lähmen oder zerstören? Denn wer regiert, muss sich mit Dingen beschäftigen, von denen er nichts versteht, und vor allem den größten Teil seiner Kraft darauf verwenden, an der Macht zu bleiben, seine Freunde zufriedenzustellen, Unzufriedene in Schach zu halten und Aufständische zu bezwingen.“ — Errico Malatesta

„Welche Rolle spielten Autorität oder Regierung in den menschlichen Bemühungen um Verbesserung, bei Erfindungen und Entdeckungen? Gar keine, jedenfalls keine hilfreiche. In diesem Bereich war es stets der Einzelne, der jedes Wunder vollbrachte, meist trotz Verboten, Verfolgung und Einmischung durch menschliche und göttliche Autorität.“ — Emma Goldman, The Individual, Society and the State

„Die Regierung ist die große Fiktion, durch die jeder versucht, auf Kosten aller anderen zu leben.“ — Frédéric Bastiat, „Government“

„Wer Demokratie und Monarchie für grundverschieden hält, kann kaum begreifen, wie eine politische Institution so viele Wandlungen durchlaufen und doch dieselbe bleiben kann. Schon ein kurzer Blick muss uns aber zeigen, dass bei der gesamten Entwicklung der englischen Monarchie, bei all ihren Erweiterungen und Revolutionen, ja selbst bei ihrem Sprung über das Meer in eine Kolonie, die eine unabhängige Nation und später ein mächtiger Staat wurde, dieselben staatlichen Aufgaben und Haltungen im Wesentlichen unverändert erhalten blieben.“ — Randolph Bourne, The State

„Der Staat ist nichts anderes als die Summe der Freiheiten, die eine Gesellschaft dem Einzelnen verweigert.“ — Mikhail Bakunin

„Der Einzelne kann mit dem Staat nicht verhandeln. Der Staat erkennt als Währung nur Macht an – und er prägt die Münzen selbst.“ — Ursula K. Le Guin, The Dispossessed (1974)

„Von allen Tyranneien kann die Tyrannei, die zum Wohl ihrer Opfer ausgeübt wird, die erdrückendste sein. Es mag besser sein, unter Raubrittern zu leben als unter allmächtigen Moralaposteln. Die Grausamkeit des Raubritters kann bisweilen ruhen, seine Gier irgendwann gestillt sein; doch diejenigen, die uns zu unserem eigenen Besten quälen, werden es ohne Ende tun, denn ihr Gewissen billigt es.“ — C. S. Lewis, The Humanitarian Theory of Punishment (1949)

„Das Gesetz verbietet in seiner großartigen Gleichheit Reichen wie Armen, unter Brücken zu schlafen, auf der Straße zu betteln und Brot zu stehlen.“ — Anatole France

„Der Grundsatz, dass die Mehrheit das Recht habe, über die Minderheit zu herrschen, macht in der Praxis jede Regierung zu einem bloßen Wettstreit zwischen zwei Gruppen von Menschen: Wer wird Herr und wer Sklave? Solange der Mensch sich weigert, Sklave zu sein, kann dieser Wettstreit seinem Wesen nach nie endgültig enden, so blutig er auch sein mag.“ — Lysander Spooner, No Treason

„Alle Regierungsformen scheitern. Despotismus ist ungerecht gegen alle, auch gegen den Despoten, der wahrscheinlich für Besseres geschaffen war. Oligarchien sind ungerecht gegen die vielen, und die Herrschaft des Pöbels ist ungerecht gegen die wenigen. Einst setzte man große Hoffnung in die Demokratie; aber Demokratie bedeutet schlicht, dass das Volk das Volk im Namen des Volkes niederknüppelt. Das hat sich gezeigt. Es wurde auch höchste Zeit, denn jede Autorität erniedrigt. Sie erniedrigt diejenigen, die sie ausüben, und diejenigen, über die sie ausgeübt wird.“ — Oscar Wilde, The Soul of Man under Socialism

„… man denke an die Zehntausenden, die wegen Hexerei verbrannt, gehängt, gekocht oder auf andere Weise getötet wurden; die Millionen wegen Ketzerei; die Tausenden edler Opfer, die wegen Hochverrats litten; die Opfer von Feuer, Folter, Schafott, Streckbank und Kerker für alle nur denkbaren Verbrechen seit Anbeginn der Zeit …

Man bedenke die Ozeane aus Blut und Ströme aus Tränen, die Gewalt und Brutalität der Herrscher der Welt vergossen haben; die Grausamkeit, Folter und das Leid, das sie über Wehrlose, Schwache und Unglückliche brachten. Dann frage man sich, ob Strafe etwas Gutes sei. Selbst wenn Gewalt je Verbrechen verhindern könnte, überragen Brutalität, Leid, Blut und Verbrechen der Herrschenden die Vergehen der schwachen und unbekannten Opfer, die sie angeblich rächen wollten, um Berge. Und diese Grausamkeit lässt nicht nach.

Es ist schlichter Wahnsinn, an der Gerechtigkeit vergangener Verurteilungen zu zweifeln und zugleich an die gerechten Urteile der Gegenwart zu glauben. Keine Verurteilung ist gerecht, und kein Urteil ist rechtschaffen. Jede Gewalt und jeder Zwang sind grausam, ungerecht und barbarisch und lassen sich vor dem Urteil der Menschen nicht rechtfertigen.“ — Clarence Darrow, Resist Not Evil

„Eine Regierung kann nicht wollen, dass die Gesellschaft auseinanderfällt; dadurch verlören sie und die herrschende Klasse ihre Quellen der Ausbeutung. Sie kann die Gesellschaft aber auch nicht sich selbst ohne amtliches Eingreifen überlassen. Denn dann würden die Menschen bald erkennen, dass die Regierung nur dazu dient, die Eigentümer zu schützen, die sie hungern lassen, und sie würden sich rasch sowohl der Regierung als auch der Eigentümer entledigen.“ — Errico Malatesta

„Warum hungern die Menschen? Weil die Herrscher das Geld der Menschen durch Steuern verschlingen. Deshalb hungern sie. Warum lehnen sich die Menschen auf? Weil die Herrscher sich zu sehr einmischen. Deshalb lehnen sie sich auf. Warum schätzen die Menschen den Tod so gering? Weil die Herrscher zu viel vom Leben verlangen. Deshalb nehmen sie den Tod leicht. Wer wenig zum Leben hat, weiß, dass er das Leben nicht zu hoch schätzen sollte.“ — Lao Tzu, Tao Te Ching, Kap. 75, übersetzt von Gia-Fu Feng und Jane English

„Wer Freiheit will, sollte deshalb diese wesentlichen Tatsachen verstehen: 1. Jeder Mensch, der einer sogenannten ‚Regierung‘ Geld gibt, legt ihr ein Schwert in die Hand, das sie gegen ihn selbst einsetzen wird, um noch mehr Geld von ihm zu erpressen und ihn ihrem willkürlichen Willen zu unterwerfen. 2. Wer ihm zunächst ohne seine Zustimmung Geld nimmt, wird es für weiteren Raub und weitere Versklavung einsetzen, falls er sich künftigen Forderungen zu widersetzen wagt.“ — Lysander Spooner, No Treason

„Wir können ohne Furcht schließen, dass die revolutionäre Formel weder direkte Gesetzgebung noch direkte Regierung noch vereinfachte Regierung sein kann, sondern: keine Regierung. Weder Monarchie noch Aristokratie noch selbst Demokratie, soweit sie überhaupt irgendeine Regierung einschließt, auch wenn diese im Namen des Volkes handelt und sich Volk nennt. Keine Autorität, keine Regierung, auch keine des Volkes: Das ist die Revolution. Direkte Gesetzgebung, direkte Regierung, vereinfachte Regierung sind alte Lügen, die man vergeblich zu verjüngen sucht. Ob direkt oder indirekt, einfach oder komplex: Das Volk zu regieren wird immer heißen, das Volk zu betrügen. Immer befiehlt ein Mensch einem anderen – eine Fiktion, die der Freiheit ein Ende setzt; rohe Gewalt, die Fragen abwürgt, anstelle der Gerechtigkeit, die allein Antworten geben kann; hartnäckiger Ehrgeiz, der Hingabe und Leichtgläubigkeit zum Sprungbrett macht …“ — Pierre-Joseph Proudhon, The General Idea of the Revolution in the Nineteenth Century (1851)

„Selbst wenn das Fehlen einer Regierung wirklich Anarchie im negativen Sinn von Unordnung bedeutete – was keineswegs so ist –, könnte keine anarchische Unordnung schlimmer sein als der Zustand, in den die Regierung die Menschheit gebracht hat.“ — Leo Tolstoy, Patriotism and Government

„Was ist das, was wir Regierung nennen? Ist es etwas anderes als organisierte Gewalt? Das Gesetz befiehlt dir zu gehorchen, und wenn du es nicht tust, zwingt es dich mit Gewalt – jede Regierung, jedes Gesetz und jede Autorität beruhen letztlich auf Zwang und Gewalt, auf Strafe oder der Angst davor.“ — Alexander Berkman

„Der Staat nennt die eigene Gewalt Gesetz, die Gewalt des Einzelnen jedoch Verbrechen.“ — Max Stirner, The Unique and Its Own

„Früher war das Verbrechen so einsam wie ein Protestschrei; heute ist es so allgegenwärtig wie die Wissenschaft. Gestern stand es vor Gericht; heute bestimmt es das Recht.“ — Albert Camus, The Rebel

„Du stellst das Recht der Regierung zu töten, zu beschlagnahmen und einzusperren nicht infrage. Würde eine Privatperson das tun, was die Regierung ständig tut, würdest du sie Mörder, Dieb und Schuft nennen. Solange die Gewalt aber ‚gesetzmäßig‘ ist, billigst du sie und unterwirfst dich ihr. Du wendest dich also nicht wirklich gegen Gewalt, sondern gegen Menschen, die sie ‚ungesetzlich‘ anwenden.“ — Alexander Berkman

„Töten ist verboten; daher werden alle Mörder bestraft, sofern sie nicht massenhaft und zu Trompetenklängen töten.“ — Voltaire

„REGIERT zu werden heißt, beobachtet, untersucht, ausspioniert, gelenkt, durch Gesetze getrieben, nummeriert, reguliert, erfasst, indoktriniert, belehrt, kontrolliert, überprüft, geschätzt, bewertet, getadelt und befehligt zu werden – von Wesen, die weder das Recht noch die Weisheit noch die Tugend dazu besitzen. REGIERT zu werden heißt, bei jedem Vorgang und jedem Geschäft vermerkt, registriert, gezählt, besteuert, abgestempelt, vermessen, nummeriert, veranschlagt, lizenziert, genehmigt, ermahnt, gehindert, verboten, zurechtgebogen, korrigiert und bestraft zu werden. Es heißt, unter dem Vorwand des öffentlichen Nutzens und im Namen des allgemeinen Interesses zu Abgaben herangezogen, gedrillt, geschoren, ausgebeutet, monopolisiert, erpresst, ausgequetscht, getäuscht und beraubt zu werden; dann beim geringsten Widerstand, beim ersten Wort der Klage unterdrückt, mit Geldstrafen belegt, verleumdet, schikaniert, verfolgt, misshandelt, niedergeknüppelt, entwaffnet, gefesselt, gewürgt, eingesperrt, vor Gericht gestellt, verurteilt, erschossen, deportiert, geopfert, verkauft und verraten zu werden; und schließlich noch verspottet, ausgelacht, verhöhnt, geschändet und entehrt zu werden. Das ist Regierung; das ist ihre Gerechtigkeit; das ist ihre Moral.“ — Pierre-Joseph Proudhon

„Die Regierung ist die gefährlichste Institution, die der Mensch kennt. Im Lauf der Geschichte hat sie die Rechte der Menschen stärker verletzt, als ein Einzelner oder eine Gruppe von Einzelnen es könnte: Sie hat Menschen getötet, versklavt, in Zwangsarbeitslager und Konzentrationslager geschickt und sie regelmäßig der Früchte ihrer Arbeit beraubt und geplündert. Anders als einzelne Verbrecher hat die Regierung die Macht, Menschen festzunehmen und vor Gericht zu stellen; anders als einzelne Verbrecher kann sie einen Menschen vollständig umschließen und jeden Bereich seines Lebens beherrschen, sodass ihm nur die Ausreise bleibt (die in totalitären Ländern sogar verboten ist).“ — John Hospers

Machtgleichgewicht

„Wirklich frei bin ich nur, wenn alle Menschen, Männer wie Frauen, gleichermaßen frei sind. Die Freiheit anderer Menschen verneint oder begrenzt meine Freiheit keineswegs; im Gegenteil, sie ist ihre notwendige Voraussetzung und Bestätigung.“ — Mikhail Bakunin ๖

„Das Argument für Freiheit ist kein Argument gegen Organisation, die eines der mächtigsten Werkzeuge der menschlichen Vernunft ist. Es richtet sich gegen jede ausschließliche, privilegierte, monopolistische Organisation und dagegen, andere mit Zwang daran zu hindern, etwas besser zu machen.“ — Friedrich August von Hayek

„Dezentralisierung schließt Autonomie ein – die Fähigkeit, aus eigener Initiative frei zu handeln. Autonomie ist in jedem Maßstab möglich: für einen einzelnen Menschen, eine Nachbarschaft, eine Bewegung, eine ganze Region. Um frei zu sein, braucht man Kontrolle über die unmittelbare Umgebung und die Einzelheiten des täglichen Lebens; je besser man für sich sorgen kann, desto sicherer ist die eigene Autonomie. Das muss nicht heißen, alle Bedürfnisse unabhängig zu erfüllen; es kann auch eine gegenseitige Abhängigkeit bedeuten, die einem Einfluss auf die Menschen gibt, auf die man angewiesen ist. Keine einzelne Institution sollte den Zugang zu Mitteln oder sozialen Beziehungen monopolisieren können. Eine Gesellschaft, die Autonomie fördert, braucht das, was Ingenieure Redundanz nennen: eine breite Auswahl an Wegen und Möglichkeiten in jedem Bereich des Lebens.“ — CrimethInc., From Democracy to Freedom

„Die wachsende Macht einer expandierenden Verwaltungsorganisation geht mit einer sinkenden Fähigkeit der übrigen Gesellschaft einher, ihrem weiteren Wachstum und ihrer Kontrolle zu widerstehen.“ — Herbert Spencer, The Man Versus the State

„Die Synergie, die durch den Wissensaustausch im Netzwerk entsteht, ist – in doppeltem Sinne – Eigentum und Eigenschaft des Netzwerks. Das hat revolutionäre Folgen für das Machtgleichgewicht zwischen Netzwerken und Hierarchien und stärkt Einzelne und kleine Gruppen gegenüber großen Organisationen in einem kaum vorstellbaren Maß. In einer Hierarchie muss jede Mitteilung zwischen Mitgliedern oder örtlichen Knoten durch eine begrenzte Zahl zentraler Knoten laufen. Von einem Mitglied oder örtlichen Knoten zum anderen gelangen nur Mitteilungen, die den Verteilungsmaßstäben derjenigen entsprechen, welche die zentralen Knoten kontrollieren. Nur wenige Knoten einer Hierarchie können senden; daher beschreibt man ihre Struktur als ‚einer an viele‘. In einem verteilten Netzwerk dagegen kann jeder Knoten senden, und zwei beliebige Knoten können unmittelbar miteinander sprechen, ohne einen zentralen Knoten zu durchlaufen oder dessen Kontrolleure um Zustimmung zu bitten. Statt dass einzelne Mitglieder nur auswählen, wer die zentralen Knoten kontrolliert, ‚[j]emand macht einen Vorschlag, und alle, die mitmachen wollen, können es tun. Der Umfang der Handlung hängt davon ab, wie weit der Vorschlag angenommen wird.‘ Mehrheitsdemokratie ist ein ‚System der Knappheit‘, in dem Entscheidungsmacht nur auf Kosten anderer ausgeübt werden kann: ‚Das Kollektiv steht vor einer Entweder-oder-Wahl zwischen einem Filter und einem anderen, einem Vertreter und einem anderen.‘ In einem verteilten Netzwerk dagegen nimmt die Entscheidungsmacht des einen der anderen nichts weg. Die Entscheidung jedes Einzelnen betrifft nur ihn selbst und hindert andere nicht daran, dasselbe zu tun. ‚Selbst wenn die Mehrheit einem Vorschlag nicht nur widerspräche, sondern auch gegen ihn handelte, könnte sie seine Umsetzung nicht verhindern.‘“ — Kevin Carson, The Desktop Regulatory State

„Zwischen beiden besteht ein umgekehrter Zusammenhang: Die Stärke des einen ist die Schwäche des anderen. Wenn wir die Gesellschaft stärken wollen, müssen wir den Staat schwächen. Totalitäre aller Art wissen das; deshalb versuchen sie stets, die gesellschaftlichen Institutionen zu zerstören, die sie nicht beherrschen können.“ — Colin Ward, The State and Society

„Es wirken entscheidende Asymmetrien, die den Gegnern des Staates große Vorteile geben. Ja, Staaten verfügen über mächtige Überwachungstechnik, doch diese wird zentral und hierarchisch gesteuert und ist nur über relativ wenige, einigermaßen erkennbare Bediener nutzbar. Und diese versuchen, das zu finden und zu überwachen, was strohfarbenen Nadeln in einem Heuhaufen aus sieben Milliarden Menschen gleichkommt. Die vernetzten Widerstandsbewegungen der Welt sind diese Nadeln. Für eine Nadel ist es viel leichter, den Mann mit der Heugabel zu sehen und zu erkennen, als für ihn, die Nadel zu finden. Es gibt viel mehr Nadeln als Männer mit Heugabeln. Und die Nadeln verfügen über eigene Werkzeuge – günstig, einfach zu bedienen und für fast jeden verfügbar (auch für jene Bediener!), der jederzeit und aus jedem Grund beschließen könnte, selbst eine Nadel zu werden.“ — Thomas Knapp, zitiert von Kevin Carson

„Als ersten Schritt zur Erreichung ihrer Ziele fördern Dezentralisten die Dezentralisierung der Produktion. Sie unterstützen deshalb den produktiven Haushalt, in dem sich mit modernen kleinen Werkzeugen und Maschinen alles oder ein sehr großer Teil dessen herstellen lässt, was eine Familie zum Leben braucht.“ — Mildred Loomis

„Die Wirklichkeit ist: Die Erde hält diesen Angriff nicht länger aus. Wir können nicht länger zulassen, dass das weitergeht, während es die Luft verschmutzt, das Wasser verschmutzt, unsere Nahrung verschmutzt. […] Die Erde gibt uns das Leben, nicht die amerikanische Regierung. Die Erde gibt uns das Leben, nicht die Regierung multinationaler Konzerne. Die Erde gibt uns das Leben; wir brauchen die Erde. Wir müssen sie haben, sonst gibt es unser Leben nicht mehr. Also müssen wir uns gegen das wehren, was sie tun.“ — John Trudell, „Take Back the Earth“, Rede am Thanksgiving-Tag (1980)

„Nimm den leidenschaftlichsten Revolutionär und gib ihm unbeschränkte Macht: Binnen eines Jahres wäre er schlimmer als der Zar selbst.“ — Mikhail Bakunin

„So beginnt wohl der ‚Staat‘ auf Erden. Ich glaube, mit jener Fantasie, nach der am Anfang des Staates irgendein ‚Vertrag‘ stand, ist aufgeräumt. Ein Mensch, der befehlen kann, der von Natur aus ein ‚Herr‘ ist und dessen Handlungen und Gebärden Gewalt zeigen – was hätte so jemand mit dem Schließen von Verträgen zu tun! Mit solchen Wesen können wir nicht verhandeln.“ — Friedrich Nietzsche, The Genealogy of Morals

„[…] die Kriminalität des Staates ist nichts Neues und nichts, worüber man sich wundern müsste. Sie begann, als sich die erste räuberische Gruppe von Menschen zusammenschloss und den Staat bildete, und sie wird so lange fortbestehen, wie es den Staat in der Welt gibt, denn der Staat ist eine grundsätzlich unsoziale, grundsätzlich kriminelle Einrichtung. Die Vorstellung, der Staat sei entstanden, um irgendeinem gesellschaftlichen Zweck zu dienen, ist völlig unhistorisch. Er entstand durch Eroberung und Konfiskation – das heißt durch Verbrechen. Er entstand zu dem Zweck, die Spaltung der Gesellschaft in eine besitzende und ausbeutende Klasse und eine besitzlose, abhängige Klasse aufrechtzuerhalten – also zu einem kriminellen Zweck.“ — Albert Jay Nock, „The Criminality of the State“ (1939)

„Wie wir sehen werden, gelang es dem frühen Staat häufig nicht, seine Bevölkerung zu halten; epidemiologisch, ökologisch und politisch war er außerordentlich anfällig und neigte zum Zusammenbruch oder zur Zersplitterung. Wenn der Staat oft zerfiel, dann allerdings nicht, weil er auf die Ausübung der Zwangsgewalt verzichtet hätte, die er aufbringen konnte. Die Belege für den umfangreichen Einsatz unfreier Arbeit – Kriegsgefangene, vertraglich gebundene Knechtschaft, Tempelsklaverei, Sklavenmärkte, Zwangsumsiedlung in Arbeitskolonien, Gefangenenarbeit und gemeinschaftliche Sklaverei (etwa die Heloten Spartas) – sind erdrückend.“ — James C. Scott, Against the Grain: A Deep History of the Earliest States (2017)

„Die ständig wachsende Macht einer seelenlosen politischen Bürokratie, die das Leben des Menschen von der Wiege bis zum Grab überwacht und absichert, erschwert die Zusammenarbeit zwischen Menschen immer mehr. Ein System, das bei jeder seiner Handlungen das Wohl großer Teile der Bevölkerung und ganzer Nationen der selbstsüchtigen Machtgier und den wirtschaftlichen Interessen kleiner Minderheiten opfert, muss die gesellschaftlichen Bindungen auflösen und zu einem ständigen Krieg aller gegen alle führen. Dieses System war lediglich der Schrittmacher jener großen geistigen und gesellschaftlichen Gegenbewegung, die heute im modernen Faschismus und in der Vorstellung vom totalitären Staat Ausdruck findet. Sie übertrifft die Machtbesessenheit der absoluten Monarchien früherer Jahrhunderte bei Weitem und will jeden Bereich menschlicher Tätigkeit der Kontrolle des Staates unterwerfen. ‚Alles für den Staat; alles durch den Staat; nichts ohne den Staat!‘ wurde zum Leitmotiv einer neuen politischen Theologie. Wie in den verschiedenen Formen kirchlicher Theologie Gott alles und der Mensch nichts ist, so ist in diesem modernen politischen Glauben der Staat alles und der Bürger nichts. Und wie die Worte ‚Gottes Wille‘ den Willen privilegierter Kasten rechtfertigen sollten, verbergen sich heute hinter dem Willen des Staates nur die eigennützigen Interessen derer, die sich berufen fühlen, diesen Willen in ihrem Sinne auszulegen und ihn den Menschen aufzuzwingen.“ — Rudolf Rocker

Spontane Ordnung

„Die Freiheit ist nicht die Tochter, sondern die Mutter der Ordnung.“ — Pierre-Joseph Proudhon

„Wenn du ein großer Anführer sein willst, musst du lernen, dem Tao zu folgen. Hör auf, alles kontrollieren zu wollen. Lass feste Pläne und Begriffe los, und die Welt wird sich selbst ordnen. Je mehr Gesetze und Beschränkungen es gibt, desto ärmer werden die Menschen. Je mehr Waffen du hast, desto unsicherer werden sie. Je mehr Subventionen du gewährst, desto weniger können sie für sich selbst sorgen. Je mehr Regeln und Vorschriften, desto mehr Diebe und Räuber. Deshalb sagt der Meister: Ich lasse das Gesetz los, und die Menschen werden ehrlich. Ich lasse die Wirtschaft los, und sie werden wohlhabend. Ich lasse die Religion los, und sie werden gelassen. Ich lasse jeden Wunsch nach dem Gemeinwohl los, und das Gute wird so alltäglich wie Gras.“ — Lao Tzu, Tao Te Ching, Kap. 57

„Der Grundsatz, bei der Ordnung unserer Angelegenheiten die spontanen Kräfte der Gesellschaft möglichst stark zu nutzen und möglichst wenig Zwang anzuwenden, kann auf unendlich viele Arten verwirklicht werden.“ — Friedrich Hayek, The Road to Serfdom

„Wenn wir darin übereinstimmen können, dass das wirtschaftliche Problem der Gesellschaft vor allem in der schnellen Anpassung an Veränderungen der besonderen Umstände von Zeit und Ort besteht, scheint daraus zu folgen, dass die letzten Entscheidungen den Menschen überlassen bleiben müssen, die diese Umstände kennen und die betreffenden Veränderungen sowie die sofort verfügbaren Mittel aus eigener Anschauung kennen.“ — Friedrich A. Hayek, The Use of Knowledge in Society

„Die zwangsläufig einfachen Abstraktionen großer bürokratischer Institutionen können, wie wir gesehen haben, die wirkliche Komplexität natürlicher oder gesellschaftlicher Prozesse niemals angemessen abbilden. Ihre Kategorien sind zu grob, zu starr und zu schematisch, um der Welt gerecht zu werden, die sie angeblich beschreiben.“ — James C. Scott, Seeing Like a State

„Je mehr man versucht zu kontrollieren, wie Menschen denken, handeln oder miteinander umgehen – ob unmittelbar mit Gewalt oder auf indirektere Weise (durch Drohungen, Angst oder „Nudging“ mittels einer anderen Form der Manipulation von Anreizen) –, desto weniger anpassungsfähig wird das System.“ — Andrew Kemle

„Das herkömmliche Argument für spontane Ordnung statt zentraler Planung lautet: Wo Wissen verstreut ist, führt nur ein dezentraler, sich entwickelnder Prozess zur Entdeckung des wichtigen Wissens. Mit anderen Worten: Eine spontane Ordnung kann ‚[…] Wissen nutzen, das niemand als Ganzes besitzt‘.“ — F. A. Hayek, (Law, Legislation and Liberty, Volume 1: Rules and Order)

„Einem unbedarften Verstand, der sich Ordnung nur als Ergebnis absichtsvoller Anordnung vorstellen kann, mag es absurd erscheinen, dass unter komplexen Bedingungen Ordnung und Anpassung an das Unbekannte durch dezentrale Entscheidungen wirksamer erreicht werden können und dass die Aufteilung von Autorität die Möglichkeit einer Gesamtordnung sogar erweitert. Doch Dezentralisierung führt tatsächlich dazu, dass mehr Informationen berücksichtigt werden.“ — Friedrich Hayek

„Umfangreiche empirische Forschung belegt, unter wie vielfältigen Bedingungen Menschen Probleme gemeinsam genutzter Ressourcen selbst lösen, wann diese Lösungen über lange Zeiträume Bestand haben und wie größere institutionelle Arrangements die Fähigkeit von Menschen auf kleinerer Ebene fördern oder beeinträchtigen, Probleme wirksam und dauerhaft zu lösen.“ — Elinor Ostrom, „Beyond Markets and States: Polycentric Governance of Complex Economic Systems“

„Spontane Ordnungen entstehen aus Netzwerken unabhängiger Gleichberechtigter, deren Handlungen positive und negative Rückkopplung erzeugen. Diese hilft später Handelnden, ihre eigenen, unabhängig entworfenen Pläne zu verfolgen, und setzt so die Rückkopplung fort. Jeder Mensch ist ein Knoten in einem Netzwerk, durch Rückkopplung mit anderen verbunden und frei, selbst zu handeln. Die erzeugte Rückkopplung verringert das Wissen über das Gesamtsystem, das jemand braucht, um darin erfolgreich zu sein.“ — Gus diZerega, zitiert von Kevin Carson in The Desktop Regulatory State

„Als soziologischer Begriff bezeichnet Stigmergie vor allem jene Arten vernetzter Organisation, die mit Wikis, Gruppenblogs und ‚führerlosen‘ Organisationen aus vernetzten Zellen verbunden sind. Wenn Computer und digitale Netzwerke die stigmergische Zusammenarbeit erweitern, wächst die Fähigkeit zur Informationsverarbeitung erheblich. Stigmergie erlaubt Zusammenarbeit in unbegrenztem Maßstab durch Menschen, die unabhängig handeln.

Stigmergie ist nicht ‚kollektivistisch‘ im herkömmlichen Sinn, wie man ihn zu der Zeit verstand, als jede gemeinsame Anstrengung von größerem Umfang eine große Organisation zur Vertretung des Kollektivs und eine hierarchische Verwaltung der einzelnen Beiträge erforderte. Doch sie verwirklicht Kollektivismus in höchstem Maß, indem sie die Kosten abgestimmten Handelns vieler Einzelner beseitigt. Sie verwirklicht auch Individualismus in höchstem Maß, denn alle Handlungen sind freie Handlungen Einzelner, und das ‚Kollektiv‘ ist einfach die Summe dieser einzelnen Handlungen. Jeder Mensch kann ohne Erlaubnis des Kollektivs jede Neuerung entwickeln, die er für richtig hält, und alle können sie übernehmen oder ablehnen. Stigmergie beseitigt die Notwendigkeit, dass jemand an einen Gruppenwillen gebunden ist, und verkleinert die Einheit der Entscheidungsgewalt auf das Individuum. So verwirklicht sie das Ideal der Zustimmung vollständig.

Stigmergische Organisation führt zu modularen Strukturen aus Bausteinen. Solche Strukturen findet man überall, denn modularer Aufbau verändert die Fähigkeit eines Systems, zu lernen, sich zu entwickeln und sich anzupassen. Eine kleine Zahl von Bausteinen kann neu gemischt und verbunden werden und eine riesige Zahl komplexer Systeme bilden. Beginnt man mit vielen modularen Individuen, von denen jedes mit einigen anderen wechselwirken und nach einer einfachen Grammatik aus wenigen Regeln auf andere einwirken kann, können diese Individuen unter den richtigen Umständen einen raschen Phasenübergang durchlaufen.“ — Kevin Carson, The Desktop Regulatory State ๖

„Um zu verstehen, wie eine Gesellschaft ohne Regierung bestehen könnte, reicht ein kurzer Blick auf das, was in unserer heutigen Gesellschaft tatsächlich geschieht. Wir werden sehen, dass selbst heute die wichtigsten Aufgaben in Wirklichkeit ohne Eingreifen der Regierung erfüllt werden. Und dass die Regierung nur eingreift, um die Massen auszubeuten, Privilegierte zu schützen oder schließlich – höchst unnötigerweise – nachträglich zu genehmigen, was ohne ihre Hilfe, oft trotz ihres Widerstands, geschehen ist. Menschen arbeiten, tauschen, lernen, reisen und befolgen nach eigener Wahl die geltenden Regeln der Moral oder Hygiene; sie nutzen Fortschritte in Wissenschaft und Kunst und haben unzählige gemeinsame Interessen, ohne je jemanden zu brauchen, der sie in diesen Dingen anleitet. Im Gegenteil: Gerade die Dinge ohne staatlichen Eingriff gedeihen am besten und rufen den geringsten Streit hervor, da sie sich unbewusst auf die Weise an die Wünsche aller anpassen, die am nützlichsten und angenehmsten erscheint.“ — Errico Malatesta

„Wenn jene negative Kraft namens Regierung abgeschafft ist, wird die Gesellschaft das werden, was sie mit den vorhandenen Kräften und Fähigkeiten sein kann. Wenn es gebildete Menschen gibt, die Bildung verbreiten wollen, werden sie Schulen organisieren und müssen den Nutzen und die Freude spürbar machen, die Bildung bietet. Gibt es solche Menschen nicht oder nur wenige, kann eine Regierung sie nicht erschaffen. Sie kann nur das tun, was sie heute tatsächlich tut: die wenigen von fruchtbarer praktischer Bildungsarbeit abziehen und sie von oben lenken lassen, was mithilfe eines Polizeisystems durchgesetzt werden soll. So macht sie aus klugen, leidenschaftlichen Lehrern bloße Politiker, nutzlose Parasiten, die ganz damit beschäftigt sind, ihre eigenen Marotten durchzusetzen und an der Macht zu bleiben.“ — Errico Malatesta

„Unter der Regierungsmaschinerie, im Schatten politischer Institutionen, außerhalb des Blickfelds von Staatsmännern und Priestern bildet die Gesellschaft langsam und still ihren eigenen Organismus und errichtet eine neue Ordnung als Ausdruck ihrer Lebenskraft und Autonomie. … Wir können ohne Furcht schließen, dass die revolutionäre Formel weder direkte Gesetzgebung noch direkte Regierung noch vereinfachte Regierung sein kann, sondern KEINE REGIERUNG.“ — P.J. Proudhon, 1851

„Wenn die verhasste Macht des Staates Menschen, Assoziationen, Gemeinden, Regionen und Gebiete nicht mehr zwingt, zusammenzuleben, werden sie viel enger verbunden sein und eine viel lebendigere, wirklichere, stärkere Einheit bilden als jene, zu der sie heute unter dem gleichermaßen unterdrückenden und erschöpfenden Joch des Staates gezwungen werden.“ — Pierre-Joseph Proudhon

„Chaotische Entscheidungsfindung fördert die Einsicht, dass die Gesellschaft als dezentrales Netzwerk spontan funktionieren kann. Sie lässt Konflikte als gesunde Kraft in unserem Leben zu, schafft eine Vielzahl von Orten der Entscheidung, die alle Augenblicke des Lebens durchziehen und weit über die formelle, männliche Sphäre des Kongresses oder des Befehls hinausgehen. Sie erlaubt unterschiedliche, selbst widersprüchliche Entscheidungen an verschiedenen Stellen des menschlichen Netzwerks und fördert zugleich ein gemeinsames Bewusstsein, damit alle Entscheidenden ihren Verstand bestmöglich einsetzen und entsprechend miteinander in Einklang kommen können. Menschen haben eine durch die Evolution erprobte Fähigkeit, chaotische Entscheidungsfindung in großem Maßstab zu nutzen. Das bestreiten nur diejenigen, die ihre Mitmenschen dauerhaft zu Kindern machen wollen, um sie durch ein Monopol auf Entscheidungen in einheitlichen Strukturen zu kontrollieren.“ — Peter Gelderloos, Worshiping Power

„Entweder der Staat auf ewig: Er erdrückt das Leben des Einzelnen und vor Ort, übernimmt alle Bereiche menschlicher Tätigkeit, bringt seine Kriege und inneren Machtkämpfe mit sich, seine Palastrevolutionen, die nur einen Tyrannen durch den nächsten ersetzen, und am Ende dieser Entwicklung steht unvermeidlich … der Tod! Oder die Zerstörung der Staaten, und neues Leben beginnt wieder an Tausenden Orten nach dem Grundsatz der lebendigen Initiative Einzelner und Gruppen und der freien Vereinbarung.“ — Pyotr Kropotkin

Freie Assoziation

„Nun müssen Sie zugeben: Entweder wird es in Freiheit unterschiedliche gesellschaftliche Formen in verschiedenen Gesellschaften geben, manche kommunistisch, andere gerade das Gegenteil, und zwischen ihnen wird zwangsläufig Wettbewerb entstehen, dessen Ergebnisse zeigen, was am besten ist. Oder Sie müssen den Wettbewerb ersticken, den Kommunismus einführen, Freiheit verweigern und dem Fortschritt ins Gesicht schlagen. Was die Welt braucht, mein Freund, sind keine neuen Methoden, Dinge einzuführen, sondern die Beseitigung von Schranken, die den Menschen ihre Möglichkeiten nehmen.“ — Voltairine de Cleyre, The Individualist and the Communist ๖

„Sie erkennt die gleichen Rechte aller Mitglieder an den in der Vergangenheit angehäuften Schätzen als Tatsache an und lässt die Trennung zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern, Regierten und Regierenden, Beherrschten und Herrschenden nicht länger gelten. Sie sucht eine gewisse harmonische Vereinbarkeit in ihrer Mitte zu schaffen – nicht indem sie alle Mitglieder einer Autorität unterwirft, die angeblich die Gesellschaft vertritt, und nicht indem sie Einheitlichkeit erzwingt, sondern indem sie alle Menschen zu freier Initiative, freiem Handeln und freier Assoziation ermuntert. Sie strebt nach der vollständigsten Entfaltung der Individualität zusammen mit der weitestgehenden Entfaltung freiwilliger Assoziation in allen Formen, in jedem möglichen Ausmaß und für alle denkbaren Ziele: Assoziationen, die sich immer verändern und neu gestalten, die Bedingungen ihres Fortbestehens in sich tragen und ständig neue Formen annehmen, welche den vielfältigen Bestrebungen aller am besten entsprechen.“ — Peter Kropotkin

„So wird das Wort Staat oft verwendet, um eine besondere Art von Gesellschaft zu bezeichnen, eine bestimmte menschliche Gemeinschaft, die auf einem bestimmten Gebiet lebt […] Es wird auch einfach als Synonym für Gesellschaft gebraucht. Wegen dieser Bedeutungen des Wortes Staat glauben die Gegner – oder tun vielmehr so, als glaubten sie –, Anarchisten wollten jede soziale Bindung und jede gemeinschaftliche Arbeit abschaffen und alle Menschen zu einem Leben in Isolation verdammen […] Aus diesen Gründen halten wir es für besser, Ausdrücke wie Abschaffung des Staates so selten wie möglich zu verwenden und an ihre Stelle den klareren und konkreteren Begriff Abschaffung der Regierung zu setzen.“ — Errico Malatesta

„Freiheit ist keine Kiste, in die man Menschen hineinzwängt. Freiheit ist ein Raum, in dem Menschen leben können. Sie sagt ihnen nicht, wie sie leben werden. Sie sagt immer nur eines: dass wir es können.“ — Karl Hess

„Das Individuum ist die wirkliche Realität des Lebens. Als Kosmos für sich besteht es weder für den Staat noch für jene Abstraktion namens ‚Gesellschaft‘ oder ‚Nation‘, die nichts weiter als eine Ansammlung von Individuen ist.“ — Emma Goldman, „The Place of the Individual in Society“ (1940)

„Gehöre ich mir selbst oder jemand anderem oder etwas anderem? Gelten meine gesellschaftlichen Verpflichtungen den vielen informellen, überlappenden Gruppen, denen ich mich freiwillig anschließe und die ich auf Wunsch verlassen kann, oder einer Einheit, der ich nie beigetreten bin …?“ — Colin Ward, The State and Society

„Die Freiheit, die wir für uns und andere wollen, ist keine absolute metaphysische, abstrakte Freiheit, die sich in der Praxis unvermeidlich in die Unterdrückung der Schwachen verwandelt. Es ist wirkliche, mögliche Freiheit: die bewusste Gemeinschaft von Interessen, freiwillige Solidarität.“ — Errico Malatesta

„So wäre der freie und einfache Wechsel von einer Art Kommunismus zu einer anderen, von dort zu irgendeiner Art Individualismus und so weiter in einer wirklich freien Gesellschaft die selbstverständlichste und einfachste Sache. Und wenn eine Gruppe von Menschen das verhindern und ein System vorherrschend machen wollte, würde man sie ebenso entschieden bekämpfen, wie Revolutionäre heute das bestehende System bekämpfen.“ — Max Nettlau

„Die Theorie des Mutualismus besagt, dass den Interessen der gesamten Gesellschaft am besten mit denselben Mitteln gedient ist, die auch die Interessen des Einzelnen am stärksten fördern: Freiheit von Beschränkungen, solange die Tätigkeiten des Einzelnen keine Übergriffe darstellen; Beseitigung aller Faktoren, die menschliche Möglichkeiten künstlich begrenzen; freiwilliger Zusammenschluss der Gesellschaft zu Assoziationen, wenn Aufgaben entstehen, die ein Einzelner nicht bewältigen kann; kurz, freiwillige Herstellung und gegenseitiger Austausch von Gütern unter Bedingungen, die Sonderprivilegien und staatlich geschützte Monopole ausschließen.“ — Clarence Lee Swartz, What Is Mutualism?

„Libertarismus kann nicht von oben durchgesetzt werden. Dass er sich nicht von oben aufzwingen lässt, ist tatsächlich ein Maßstab für seinen Erfolg.“ — Samuel E. Konkin III

„Nachdem die Menschheit alle Arten der Regierung erprobt und versucht hat, das unlösbare Problem einer Regierung zu lösen, ‚die den Einzelnen zum Gehorsam zwingen könnte, ohne selbst dem Gehorsam gegenüber der Gesamtheit zu entgehen‘, versucht sie nun, sich von jeder Regierung zu befreien und ihrem Bedürfnis nach Organisation durch freie Verständigung zwischen Menschen mit denselben gemeinsamen Zielen zu entsprechen.“ — Pyotr Kropotkin

Gegenseitige Hilfe

„Freundschaft lässt sich nicht so vergrößern, dass sie den Planeten verschlingt. Sie bleibt immer klein, persönlich, vertraut, bewusst, freiwillig und dezentral. Das ist eine Stärke, kein Fehler. Freundschaft erlaubt dir, dich nach Belieben mit anderen zusammenzuschließen und wieder zu trennen und dabei stets deine Eigenständigkeit, den geschützten Raum deiner Gedanken und die Klarheit darüber zu bewahren, wer du bist und was du brauchst. Die Forderungen einer anonymen größeren Gesellschaft und das angebliche Gemeinwohl müssen deine Gedanken nicht trüben, wenn du Freundschaften schließt, statt Gemeinschaften aufzubauen.“ — Against Community Building, Towards Friendship ๖

„Es liegt auf der Hand, dass es allem widerspräche, was wir über die Natur wissen, wenn Menschen eine Ausnahme von einer so allgemeinen Regel wären: wenn ein anfangs so wehrloses Wesen wie der Mensch Schutz und einen Weg zum Fortschritt nicht durch gegenseitige Unterstützung wie andere Tiere gefunden hätte, sondern durch rücksichtslosen Wettbewerb um persönliche Vorteile, ohne Rücksicht auf die Interessen der Art. Wer an die Einheit der Natur gewöhnt ist, muss diesen Satz für völlig unhaltbar halten. Und doch hat es ihm, so unwahrscheinlich und unphilosophisch er auch ist, nie an Fürsprechern gefehlt. Immer gab es Autoren mit einem pessimistischen Menschenbild. Sie kannten die Menschen nur mehr oder weniger oberflächlich aus ihrer begrenzten eigenen Erfahrung; von der Geschichte wussten sie nur, was Chronisten erzählten, die stets auf Kriege, Grausamkeit und Unterdrückung achteten, und kaum mehr. Daraus schlossen sie, die Menschheit sei bloß eine lose Ansammlung von Wesen, stets bereit, einander zu bekämpfen, und nur das Eingreifen irgendeiner Autorität halte sie davon ab.“ — Pyotr Kropotkin, Mutual Aid: A Factor of Evolution

„Es tut mir leid, aber ich will kein Kaiser sein. Das ist nicht meine Sache. Ich will niemanden beherrschen oder erobern. Ich möchte allen helfen – wenn möglich – Juden und Nichtjuden, Schwarzen und Weißen. Wir alle wollen einander helfen. So sind die Menschen. Wir wollen vom Glück der anderen leben, nicht von ihrem Unglück.“ — Charlie Chaplin, Schlussrede in The Great Dictator (1940)

„Solidarität ist in mancher Hinsicht das Gegenteil von Wohltätigkeit. Wohltätigkeit ist eine Form der Hilfe, die das hierarchische Verhältnis zwischen Gruppen verstärkt. Wenn Reiche Geld für wohltätige Zwecke spenden, werden Arme noch abhängiger von ihnen. Wenn Arme dagegen gemeinsam Mittel als Gleiche teilen, handeln sie solidarisch.“ — Life Without Law

„Solidarität ist also das Mittel, mit dem wir unsere eigene Freiheit erlangen und sichern können. Wir vereinbaren, zusammenzuarbeiten, damit wir nicht für einen anderen arbeiten müssen. Indem wir vereinbaren zu teilen, erweitern wir unsere Möglichkeiten und können mehr genießen statt weniger. Gegenseitige Hilfe liegt in meinem eigenen Interesse – ich sehe also einen Vorteil darin, mit anderen Vereinbarungen auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und sozialer Gleichheit zu treffen. Denn wenn ich jemanden beherrsche, bedeutet das, dass die Bedingungen für Herrschaft bestehen, und wahrscheinlich werde auch ich eines Tages beherrscht.“ — An Anarchist FAQ

„Bevor unsere weißen Brüder kamen, um uns zu zivilisieren, hatten wir keine Gefängnisse. Deshalb hatten wir keine Verbrecher. Wir hatten keine Schlösser und Schlüssel und deshalb keine Diebe. War ein Mensch so arm, dass er kein Pferd, Tipi oder keine Decke hatte, gab ihm jemand diese Dinge. Wir waren zu unzivilisiert, um persönlichem Besitz großen Wert beizumessen. Wir wollten Dinge nur haben, um sie wegzugeben. Wir hatten kein Geld, deshalb ließ sich der Wert eines Menschen nicht daran messen.“ — John Fire Lame Deer, Lame Deer, Seeker of Visions

„Welch wunderbare Ergebnisse diese einzigartige Kraft menschlicher Individualität erzielt hat, wenn sie durch Zusammenarbeit mit anderen Individuen gestärkt wurde … Zusammenarbeit – im Gegensatz zu innerem Streit und Kampf – hat dem Überleben und der Entwicklung der Art gedient … nur gegenseitige Hilfe und freiwillige Zusammenarbeit … können die Grundlage eines freien individuellen und gemeinschaftlichen Lebens schaffen.“ — Emma Goldman, Red Emma Speaks, S. 118

„Betriebe im Eigentum der Beschäftigten und Konsumgenossenschaften gehören zum Markt; Assoziationen gegenseitiger Hilfe und kostenlose Kliniken gehören zum Markt; ebenso freiwillige Gewerkschaften, einvernehmlich gebildete Kommunen und zahllose andere Alternativen zum kapitalistischen Status quo.“ — Charles Johnson, Markets Not Capitalism

„Wer gegenseitige Hilfe leistet und direkt handelt, schafft die Solidarität, die durch staatliche Strukturen vereinzelte Gesellschaften wieder stärkt.“ — Joseph Parampathu, Creative Destruction: Rethinking Failure after the State (2021)

„Vertikaler Agorismus umfasst die Beteiligung an und den Aufbau von örtlichen Tauschnetzwerken, städtischer Landwirtschaft, Gärten am Haus und Bauernmärkten sowie die Unterstützung von Alternativen zur Polizei und dezentralen Technologien für direkte Verbindungen zwischen Menschen. Auch wenn bei solchen vertikalen Schritten möglicherweise staatliches Geld verwendet wird (sie also nicht völlig gegenökonomisch sind), sind sie dennoch wichtig, um die Abhängigkeit von Staat und Unternehmensklassen anzugreifen. Andere vertikale Schritte erfordern womöglich keinen direkten Austausch von Geld und wirken trotzdem gegen Abhängigkeit. Dazu können moralische Unterstützung und die Förderung von Technologien gehören, die den Status quo stören und stärkere Beziehungen zwischen Mitgliedern der Gemeinschaft schaffen.“ — Derrick Broze, Vertical and Horizontal Agorism

„So würden ‚unabhängige Kommunen für örtliche Zusammenschlüsse und große Gewerkschaftsverbände für Zusammenschlüsse nach gesellschaftlicher Aufgabe entstehen – beide miteinander verflochten und einander bei der Erfüllung gesellschaftlicher Bedürfnisse unterstützend‘. Hinzu kämen ‚Zusammenschlüsse aus persönlicher Nähe – zahllose Gruppen, unendlich verschieden, dauerhaft oder kurzlebig, je nach Bedarf des Augenblicks für alle möglichen Zwecke entstehend‘. Diese ‚drei Arten von Zusammenschlüssen‘ würden ‚alle gesellschaftlichen Bedürfnisse erfüllen: Konsum, Produktion und Austausch, Kommunikation, Gesundheitsversorgung, Bildung, gegenseitigen Schutz vor Angriffen, gegenseitige Hilfe, Verteidigung des Gebiets und schließlich Bedürfnisse nach Wissenschaft, Kunst, Lesen und Schreiben sowie Unterhaltung‘.“ — Pyotr Kropotkin

„Wenn Armut durch Schikanen der Polizei und kommunale Verordnungen kriminalisiert wird, behindert das die Bemühungen, Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, und Armen zu helfen, die sich jeden Tag wieder aufzurichten versuchen. Um Gleichheit in unserer Gesellschaft weiter zu fördern, werden wir in unseren Gemeinschaften weiterhin Essen teilen und Solidarität mit Obdachlosen und anderen Organisationen aufbauen, die eine bessere Zukunft suchen.“ — Food Not Bombs

Gewaltfreiheit

„Den vielen Unterdrückten Hoffnung und den wenigen Unterdrückern Angst zu geben, das ist unsere Aufgabe. Wenn wir das Erste tun und den vielen Hoffnung geben, müssen die wenigen vor ihrer Hoffnung erschrecken. Darüber hinaus wollen wir ihnen keine Angst machen; wir wollen für arme Menschen keine Rache, sondern Glück. Welche Rache könnte es auch für die vielen Jahrtausende des Leids der Armen geben?“ — William Morris ๖

„Gewaltfreies Handeln als Methode passt zum Ziel einer gewaltfreien Gesellschaft. Methoden zu verwenden, die das Ziel widerspiegeln, heißt Vorwegnahme: Die Methoden nehmen das Ziel vorweg, bilden es also bereits im Voraus ab. Vorwegnahme bietet Übung und Erfahrung in dem, was angestrebt wird. Sie hilft, einen Teil des Ziels schon zu verwirklichen, selbst wenn eine Kampagne scheitert. Und sie hält die Bemühungen auf Kurs. Ist das Ziel eine Gesellschaft ohne organisierte Gewalt, bietet gewaltfreies Handeln all diese Vorteile der Vorwegnahme. Es gibt Erfahrung darin, ohne Gewalt zu leben; es verringert unmittelbare Gewalt hier und jetzt, selbst wenn Kampagnen scheitern; und es stellt sicher, dass die Bemühungen in eine gewaltfreie Richtung gehen.“ — How Nonviolence is Misrepresented

„Gewalt (physische Kraft), die eingesetzt wird, um einen anderen zu verletzen – die brutalste Form, die der Kampf zwischen Menschen annehmen kann –, ist in hohem Maße verderblich. Ihrem Wesen nach neigt sie dazu, die besten Gefühle des Menschen zu ersticken und alle unsozialen Eigenschaften zu entwickeln: Grausamkeit, Hass, Rache, den Geist der Herrschaft und Tyrannei, Verachtung für Schwache und Unterwürfigkeit gegenüber Starken. Diese schädliche Neigung entsteht auch, wenn Gewalt für ein gutes Ziel eingesetzt wird. […] Auch Anarchisten, die sich gegen jede Art von Unterdrückung erheben und für die ungeteilte Freiheit jedes Menschen kämpfen und daher instinktiv vor allen Gewalttaten zurückschrecken sollten, die nicht mehr bloß Widerstand gegen Unterdrückung sind, sondern selbst unterdrückend werden, können in den Abgrund roher Gewalt stürzen. […]“ — Errico Malatesta, Violence as a Social Factor (1895)

„Grausame menschenfeindliche Gefühle zu billigen und als Taktik einer Bewegung zum Prinzip zu erheben … ist sowohl böse als auch gegenrevolutionär.“ — Errico Malatesta

„Einer Untersuchung der University of South Carolina zufolge nahm die Gewalt in Amerika während des Vietnamkriegs um 42 Prozent zu. Das ist kaum überraschend. Unsere Anführer missachten das Recht, warum also nicht wir? Wenn die Regierung anderen Ländern mit der Bombe droht, warum sollten wir einander nicht mit Handfeuerwaffen drohen? Wenn unsere Anführer den Planeten vergewaltigen, warum nicht unsere Nachbarn? Unsere Anführer schaffen ein Klima der Angst und Gewalt. Warum geben sie sich überrascht, wenn Amerikaner einander töten, ausrauben und verstümmeln?“ — Philip Berrigan, Fighting the Lamb’s War: Skirmishes with the American Empire (1996)

„Der Staat hält sich mit Polizeigewalt gegen die Bevölkerung zusammen. Ein Staat, der aus Gewalt hervorgegangen ist und auf Gewalt beruht, wird nie wirklichen Frieden erreichen.“ — Philip Berrigan, Fighting the Lamb’s War: Skirmishes with the American Empire (1996)

„Historisch entstanden die schrecklichsten Dinge – Krieg, Völkermord und Sklaverei – nicht aus Ungehorsam, sondern aus Gehorsam.“ — Howard Zinn, Declarations of Independence: Cross-Examining American Ideology

„Die größten Verbrechen der Welt begehen nicht Menschen, die Regeln brechen, sondern Menschen, die Regeln befolgen. Wer Befehle befolgt, wirft Bomben ab und massakriert die Bewohner ganzer Dörfer.“ — Banksy, Wall and Piece

„Beschließt, nicht länger zu dienen, und ihr seid augenblicklich frei. Ich verlange nicht, dass ihr Hand an den Tyrannen legt, um ihn zu stürzen, sondern nur, dass ihr ihn nicht länger stützt. Dann werdet ihr sehen, wie er wie ein gewaltiger Koloss, dem man den Sockel weggezogen hat, unter seinem eigenen Gewicht fällt und in Stücke zerbricht.“ — Étienne de La Boétie, Discourse on Voluntary Servitude

„Die Fähigkeit der Regierung, Gewalt einzusetzen, übersteigt die der Aufständischen bei Weitem. Gewaltsamer Aufstand stärkt sogar häufig unterdrückerische Regime, die glaubhaft behaupten können, die Gewalt der Aufständischen mache Unterdrückung notwendig. Der relative Vorteil der Regierung liegt in der Gewaltanwendung. Der relative Vorteil der Menschen dagegen liegt in ihrer Fähigkeit, Zusammenarbeit zu verweigern, ohne die eine Regierung kaum bestehen kann. Man bedenke, wie tödlich Steuerstreiks, Boykotte, Generalstreiks und die massenhafte Weigerung, dem Gesetz zu gehorchen, für eine Regierung sind. Diese Mittel sind gewaltfrei, doch ihr allgemeiner und unnachgiebiger Einsatz müsste jede Regierung in Angst versetzen. Gewaltfreiheit hat weitere Vorteile. Weil sie weniger gefährlich und radikal erscheint als Gewalt, gewinnt sie leichter … breite öffentliche Unterstützung. Die Kosten der Beteiligung sind geringer, deshalb machen wahrscheinlich mehr Menschen mit. Menschen, die traditionell nicht kämpfen, etwa Kinder, Frauen und Ältere, können wirksam am gewaltfreien Kampf teilnehmen. Sie kann Gegner eher überzeugen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der herrschenden Klasse auslösen. Im Allgemeinen verursacht sie weit weniger Tote, Verletzte und materielle Verluste als Gewalt. Und weil sie dezentraler ist als gewaltsames Handeln, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie bei Erfolg einen noch unterdrückerischeren Staat hervorbringt.“ — Bryan Caplan, „The Literature of Nonviolent Resistance and Civilian-Based Defense“

„Die Regierung versichert den Menschen, ihnen drohe eine Invasion durch eine andere Nation oder sie seien von Feinden in ihrer Mitte bedroht, und sie könnten der Gefahr nur durch sklavischen Gehorsam gegenüber der Regierung entgehen. Während Revolutionen und Diktaturen tritt das besonders deutlich hervor, doch es gilt immer und überall, wo Regierungsmacht besteht. Jede Regierung erklärt ihre Existenz und rechtfertigt ihre Gewalttaten mit dem Argument, ohne sie wäre die Lage noch viel schlimmer. Nachdem sie die Menschen von der Gefahr überzeugt hat, unterwirft sie sie ihrer Kontrolle und zwingt sie dann, eine andere Nation anzugreifen. So erscheint ihre Behauptung, dass ein Angriff anderer Nationen drohe, den Menschen bestätigt.“ — Leo Tolstoy, Christianity and Patriotism (1895)

„Wenn du schließlich Gewalt anwenden musst, spielst du nach den Regeln des Systems. Das Establishment wird dich reizen – an deinem Bart ziehen, dir ins Gesicht schnipsen –, damit du kämpfst. Sobald sie dich zur Gewalt gebracht haben, wissen sie, wie sie mit dir umgehen. Nur mit Gewaltfreiheit und Humor wissen sie nicht umzugehen.“ — John Lennon

„Wir können und wollen keine Gewalt anwenden, außer wenn wir uns oder andere gegen Unterdrückung verteidigen.“ — Errico Malatesta

„Also bauen wir Netzwerke zur Verteidigung der Gemeinschaft statt Armeen. Wir schaffen Vertrauen statt Macht. Wir verbinden fröhliches Spiel und trotzigen Aufstand. Wir zeigen unsere Liebe durch Solidarität und verraten unsere gemeinsamen Identitäten und örtlichen Loyalitäten mit frevelhaften Taten kühner Neugier, durch Streben und Freundschaft. Wir bauen lebendige Netzwerke, keine abgeschotteten Grüppchen. Und selbst wenn wir uns allein fühlen, sind wir in ein Geflecht des Radikalismus eingebettet. Durch unsere Handlungen und Gedanken, unseren großen und kleinen Widerstand bauen wir etwas ganz Besonderes auf. Das Leid und die Kämpfe, denen du gegenüberstehst, sind tödlich real – und unsere Bindungen sind es auch. So sehr man es versucht: Anarchismus lässt sich niemals töten. Deshalb können wir Mut fassen, auch wenn Hoffnung immer teurer wird. Du bist nicht allein.“ — Stigmergic Parity and Revolt

Direktes Handeln

„Die Menschen fragen: Was nützt unsere kleine Anstrengung? Sie erkennen nicht, dass wir einen Stein nach dem anderen setzen und einen Schritt nach dem anderen tun müssen. Ein Kieselstein, der in einen Teich fällt, schlägt Wellen, die sich in alle Richtungen ausbreiten. Genauso verhält es sich mit jedem unserer Gedanken, jedem Wort und jeder Tat. Niemand hat das Recht, sich hinzusetzen und hoffnungslos zu sein. Es gibt zu viel zu tun.“ — Dorothy Day ๖

„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe nachdenklicher, entschlossener Bürger die Welt verändern kann; tatsächlich waren es immer nur solche Gruppen, die das getan haben.“ — Margaret Mead

„Die Welt verändert sich durch dein Beispiel, nicht durch deine Meinung.“ — Paulo Coelho

„Es gibt ungerechte Gesetze; sollen wir uns damit abfinden, ihnen zu gehorchen? Oder sollen wir versuchen, sie zu ändern, und ihnen gehorchen, bis es gelingt? Oder sollen wir sie sofort übertreten? Unter einer Regierung wie dieser meinen Menschen gewöhnlich, sie sollten warten, bis sie die Mehrheit von einer Änderung überzeugt haben. Sie meinen, Widerstand würde das Heilmittel schlimmer machen als das Übel. Doch es ist die Schuld der Regierung selbst, dass das Heilmittel schlimmer ist als das Übel. Sie macht es schlimmer. Warum sieht sie Reformen nicht eher voraus und ermöglicht sie? Warum schätzt sie ihre kluge Minderheit nicht? Warum schreit und wehrt sie sich, bevor sie verletzt wird? Warum ermutigt sie ihre Bürger nicht, aufmerksam auf ihre Fehler hinzuweisen und es besser zu machen, als sie es von ihnen verlangt?“ — Henry David Thoreau, Civil Disobedience

„Für jeden, der sich mit Geschichte beschäftigt hat, ist Ungehorsam die ursprüngliche Tugend des Menschen. Durch Ungehorsam kam der Fortschritt zustande, durch Ungehorsam und Auflehnung.“ — Oscar Wilde, The Soul of Man under Socialism

„Sie müssen lernen, dass ihre Macht nicht in ihrer Stärke bei Wahlen liegt, sondern in ihrer Fähigkeit, die Produktion anzuhalten.“ — Voltairine de Cleyre, Direct Action

„Die Hauptaufgabe der Gewerkschaftsbürokratien unter der neuen Ordnung war es, eigenmächtige Aktionen ihrer einfachen Mitglieder und direktes Handeln am Arbeitsplatz zu unterdrücken und Arbeitskämpfe auf angekündigte Streiks nach den Regeln des NLRB zu begrenzen.“ — Kevin Carson

„Der Agorismus setzt auf einen allmählichen Entzug der Unterstützung für den Staat durch das, was Konkin ‚gewinnbringenden zivilen Ungehorsam‘ nannte. Dem Staat Einnahmen und Zweck zu nehmen, indem man diese Aufgaben auf dezentrale Institutionen überträgt, ist nach agoristischer Auffassung der gangbarste Weg zu freien Märkten.“ — „Agorism“, Encyclopedia, zu Konkins Strategie

„Ich schreibe diese vorläufige Erklärung über meine Gründe, keine Steuern zu zahlen, im Voraus, da Ihr Büro mir kürzlich mitgeteilt hat, dass ich wegen meiner fortgesetzten Steuerverweigerung inhaftiert werde. Nach meiner Festnahme werde ich Ihnen eine genaue Aufstellung meiner bisherigen Einkünfte für 1948 geben. Meine Überzeugung, dass die Regierung, deren Hauptzweck das Führen von Kriegen ist, eine ungerechte Einrichtung ist, habe ich in den vergangenen sechs Jahren bereits in meinen Erklärungen an Ihre Behörde dargelegt, als ich die Zahlung jeder Steuer verweigerte, und auch in Artikeln im Catholic Worker.“ — Ammon Hennacy

„Wenn tausend Menschen dieses Jahr ihre Steuerbescheide nicht bezahlten, wäre das keine gewaltsame und blutige Maßnahme – anders als die Zahlung, die den Staat befähigt, Gewalt zu üben und unschuldiges Blut zu vergießen. Das wäre tatsächlich die Definition einer friedlichen Revolution, sofern eine solche möglich ist. Fragt mich der Steuereinnehmer oder ein anderer Beamter, wie es bereits geschehen ist: ‚Aber was soll ich tun?’, antworte ich: ‚Wenn Sie wirklich etwas tun wollen, legen Sie Ihr Amt nieder.‘ Wenn der Untertan die Treue verweigert und der Beamte sein Amt niedergelegt hat, ist die Revolution vollbracht. Doch angenommen, es würde trotzdem Blut fließen. Fließt nicht auf eine Art ebenfalls Blut, wenn das Gewissen verletzt wird? Durch diese Wunde fließen die wirkliche Menschlichkeit und Unsterblichkeit eines Menschen hinaus, und er verblutet zu einem ewigen Tod. Ich sehe dieses Blut schon jetzt fließen.“ — Henry David Thoreau, Civil Disobedience

„Wenn es für Arme unerreichbar ist, ist es weder radikal noch revolutionär.“ — Anonymous

„Können Sie sich Sklaven auf einer Plantage vorstellen, die herumsitzen und über ihre Herren abstimmen und ihre Kraft für Wahlkampf und Kandidaten einsetzen, obwohl sie zur ‚Underground Railroad‘ fliehen könnten? Sicher würden sie die gegenökonomische Alternative wählen; sicher würde Dr. Rothbard ihnen dazu raten, statt sich dazu verführen zu lassen, auf der Plantage zu bleiben, bis die Partei der abolitionistischen Sklavenhalter gewählt ist.“ — SEK III

„Glaubt niemals, die Reichen würden euch erlauben, ihren Reichtum abzuwählen.“ — Lucy Parsons

„Keine große Idee kann zu Beginn mit dem Gesetz vereinbar sein. Wie sollte sie es auch sein? Das Gesetz steht still. Das Gesetz ist fest. Das Gesetz ist ein Wagenrad, das uns alle bindet, ungeachtet von Umständen, Ort oder Zeit.“ — Emma Goldman, 1917

„Die größte Veränderung, die wir vornehmen müssen, ist der Schritt vom Konsum zur Produktion, selbst in kleinem Maßstab, in unseren eigenen Gärten. Wenn nur zehn Prozent von uns das tun, ist genug für alle da. Daher die Vergeblichkeit von Revolutionären ohne Gärten, die von genau dem System abhängen, das sie angreifen, und die Worte und Kugeln hervorbringen statt Nahrung und Unterkunft.“ — Bill Mollison

Das Zeitfenster

„Man verändert nichts, indem man gegen die bestehende Wirklichkeit kämpft. Um etwas zu verändern, baut man ein neues Modell, das das alte überflüssig macht.“ — Buckminster Fuller ๖

„Der Staat ist nichts, was eine Revolution zerstören kann, sondern ein Zustand, eine bestimmte Beziehung zwischen Menschen, eine Form menschlichen Verhaltens. Wir zerstören ihn, indem wir andere Beziehungen eingehen und uns anders verhalten.“ — Gustav Landauer, zitiert von Colin Ward in The State and Society

„Wir leben im Kapitalismus, und seine Macht scheint unausweichlich – doch das galt einst auch für das Gottesgnadentum der Könige.“ — Ursula K. Le Guin, Rede bei den National Book Awards (2014)

„Das politische System oder Regierungssystem im Wirtschaftssystem auflösen, darin aufgehen und verschwinden lassen, indem man ein Rad nach dem anderen an dieser großen Maschine, die Regierung oder Staat genannt wird, reduziert, vereinfacht, dezentralisiert und abschafft.“ — Pierre-Joseph Proudhon, General Idea of the Revolution in the Nineteenth Century

„Die Menschheit wird einen großen Wandel hin zu einer kooperativen, dezentralen und flexiblen Produktionsweise brauchen, um auf diesem Planeten weiter bestehen zu können.“ — Eric Fleischmann

„Doppelmacht bedeutet, den Keim der neuen Welt schon im Kampf gegen die bestehende zu schaffen: ‚das Neue in der Hülle des Alten aufzubauen‘. Es bedeutet, Organe der Selbstverwaltung der Arbeiterklasse zu fördern, in denen wir unsere Autonomie ausüben und die Macht von Chefs und Regierung begrenzen können, bis wir beiden entgegentreten und sie abschaffen können. Eine Strategie der Doppelmacht fordert Machtinstitutionen direkt heraus und nimmt zugleich auf irgendeine Weise die neuen Institutionen vorweg, die wir uns vorstellen. Deshalb wendet sie sich nicht nur gegen den Staat, sondern bereitet auch auf die schwierigen Auseinandersetzungen und Fragen vor, die in einer revolutionären Lage entstehen werden.“ — Beyond Resistance

Autoren wie James Livingston und Michel Bauwens haben frühere Übergänge ausdrücklich als Modelle für den Übergang von Hierarchien zu Netzwerken herangezogen. Unsere politische Kultur auf der Rechten wie auf der Linken stellt sich einen nachkapitalistischen Übergang zwar durch die Linse der Französischen und Russischen Revolution vor – plötzlich, aufständisch und weitgehend mit der Übernahme des Staates gleichgesetzt. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass er so sein wird. Er könnte ebenso gut ein jahrzehntelanger, verhältnismäßig allmählicher Prozess sein, wie der Niedergang des Weströmischen Reiches und des Feudalismus.

[…]

Das gut 500 Jahre alte kapitalistische System ist wie frühere geschichtliche Systeme keine geschlossene Einheit, sondern eine Ansammlung gesellschaftlicher Formen, die aufeinander einwirken – einige auf dem Vormarsch, andere im Niedergang. Daraus folgt, dass die Ablösung des Kapitalismus keinen dramatischen Bruch erfordern muss, den eine geschlossene Einheit fortschrittlicher Kräfte herbeiführt. Eugene Holland argumentiert:

Ein solch radikaler Bruch mit dem System ist nur dann erforderlich, wenn man eine Gesellschaft oder Produktionsweise überhaupt als ein Gesamtsystem betrachtet. […] Betrachtet man diese Elemente als vorherrschend, verblieben und neu entstehend, verbessern sich die Aussichten für eine Utopie erheblich, denn dann gäbe es vermutlich positive Elemente, die man bejahen kann (die „neu entstehenden“), neben negativen, die man kritisieren und zurückweisen kann (vermutlich alle „vorherrschenden“). […]

Schließlich löst sich die Lage, wenn die Kräfte der alten Ordnung versuchen, den Übergang zu vereiteln – und scheitern.

[…] unsere heutige Lage ist günstig […], weil die gestaltende Macht der Vielen so weit gereift ist, dass sie durch ihre Kommunikations- und Kooperationsnetzwerke und durch die Herstellung des Gemeinsamen eine andere demokratische Gesellschaft aus eigener Kraft tragen kann. Hier wird die Frage der Zeit wesentlich. Wann kommt der Augenblick des Bruchs? […]

Revolutionäre Politik muss in der Bewegung der Vielen und durch die Ansammlung gemeinsamer und kooperativer Entscheidungen den Augenblick des Bruchs erfassen […], aus dem eine neue Welt entstehen kann.

Wie plötzlich und dramatisch der letzte Bruch auch erscheinen mag, er ist nur der Abschluss eines langen, bereits bestehenden Prozesses, in dem „die Struktur der neuen Gesellschaft in der Hülle der alten aufgebaut“ wird.

[…]

John Holloway argumentiert ähnlich: Der nachkapitalistische Übergang werde wie der vom Feudalismus zum Kapitalismus ein „Prozess in den Zwischenräumen“ sein.

[…]

Die gemeinschaftliche Produktion gleichberechtigter Beteiligter auf Grundlage von Gemeingütern als Alternative zum kapitalistischen Unternehmen und zum Staat ermöglicht

die unmittelbare gesellschaftliche Herstellung von Gebrauchswerten durch neue Lebensweisen, die weitgehend außerhalb der Kontrolle des Kapitals stehen, mit Produktionsmitteln, die in erheblichem Maß vergesellschaftet wurden. Diese neuen Prozesse sind nachkapitalistisch statt kapitalistisch, weil sie für ihre Fortsetzung keine besondere Rolle des Kapitals mehr brauchen.

— Kevin Carson, The Desktop Regulatory State, „The Transition from Hierarchies to Networks“

„Wenn es sich als unmöglich erweist, die herrschende Macht auf gesetzlichem Weg zur Änderung ihrer Regierungsweise zu zwingen, und wenn diejenigen, die diese Macht ablehnen, sie aus verschiedenen Gründen weder mit Gewalt stürzen können noch wollen, dann ist die Schaffung einer unabhängigen, anderen oder parallelen [Gesellschaft] die einzig würdige Lösung.“ — Ivan Jirous, Parallel Polis: An Inquiry, zitiert von Academy of Ideas

„Wirtschaftliche Gegeninstitutionen wirken leider im Rahmen einer größeren kapitalistischen Unternehmenswirtschaft. Sie konkurrieren auf Märkten, auf denen die institutionelle Kultur der dominierenden Unternehmen von oben gelenkt und hierarchisch ist. Daher laufen sie große Gefahr, diese Kultur selbst zu übernehmen. Deshalb gibt es einen gemeinnützigen und genossenschaftlichen Bereich, dessen Leitung sich von kapitalistischen Gegenstücken nicht unterscheiden lässt: Prestigegehälter, aufgeblähtes mittleres Management, bürokratische Unvernunft und sklavische Befolgung des neuesten Dogmas aus Motivations- und Managementtheorien. Verschärft wird das Problem durch ein kapitalistisches Finanzsystem, das Unternehmen mit herkömmlichem Organisationsmodell durch Kredite bestärkt (selbst wenn Organisation von unten viel wirksamer ist).“ — Kevin Carson, Building the Structure of the New Society Within the Shell of the Old

„Horizontale, vernetzte Kommunikationstechnik ermöglicht Phasenübergänge im öffentlichen Bewusstsein in bislang unerreichter Geschwindigkeit. Doug McAdam prägte den Begriff ‚kognitive Befreiung‘ für ‚einen Prozess, in dem Menschen plötzlich gemeinsam beschließen, dass sie keine Angst mehr haben, dass ihre bisherige Angst oder Gleichgültigkeit auf Lügen beruhte und dass es kein Zurück zu alten Denkmustern gibt‘. Sobald eine kritische Masse der Öffentlichkeit entscheidet, dass Wandel unausweichlich ist, ist er es. Und mit vernetzter Kommunikationstechnik kann sich diese kritische Masse plötzlich und unerwartet zusammenfinden.“ — Kevin Carson, The Desktop Regulatory State: The Question of Repression

„Es ist eine tragische Ironie, dass die tödlichsten Massenmorde der Menschheitsgeschichte vom Wunsch getrieben waren, eine grundlegend andere und bessere Gesellschaft zu schaffen. Der Versuch, eine Utopie zu entwerfen und durchzusetzen, diente zur Rechtfertigung einiger der entsetzlichsten Verbrechen der Welt.“ — Benjamin A. Valentino

„Der radikalste Revolutionär wird am Tag nach der Revolution zum Konservativen.“ — Hannah Arendt

„Alle modernen Revolutionen endeten mit einer Stärkung der Staatsmacht. 1789 bringt Napoleon hervor; 1848 Napoleon III.; 1917 Stalin; die Unruhen im Italien der Zwanzigerjahre Mussolini; die Weimarer Republik Hitler. Besonders nachdem der Erste Weltkrieg die Reste des Gottesgnadentums beseitigt hatte, setzten sich diese Revolutionen mit wachsendem Wagemut noch immer das Ziel, die Stadt der Menschheit und der wirklichen Freiheit zu errichten. Die wachsende Allmacht des Staates legitimierte dieses Streben jedes Mal. Es wäre falsch zu sagen, dass dies zwangsläufig geschehen musste. Man kann aber untersuchen, wie es geschah; vielleicht ergibt sich daraus eine Lehre. Abgesehen von einigen Erklärungen, die nicht Gegenstand dieses Essays sind, lässt sich das seltsame und erschreckende Wachstum des modernen Staates als logisches Ergebnis maßloser technischer und philosophischer Ambitionen betrachten. Sie waren dem wahren Geist der Auflehnung fremd und brachten dennoch den revolutionären Geist unserer Zeit hervor. Der prophetische Traum von Marx und die überspannten Vorhersagen Hegels oder Nietzsches beschworen nach der Zerstörung der Stadt Gottes einen rationalen oder irrationalen Staat herauf, der aber in beiden Fällen auf Terror gegründet war.“ — Albert Camus, The Rebel

„… es ist unmöglich, eine solche Revolution mit Diktatur und Staatsmacht zu erreichen. Ohne einen umfassenden Wiederaufbau von unten – durch die Arbeiter und Bauern selbst in die Tat umgesetzt – ist die soziale Revolution zum Scheitern verurteilt … [W]ir müssen hoffen, dass … ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, innerhalb der Arbeiterklasse – Bauern, Arbeiter und Intellektuelle – die Menschen einer künftigen Revolution heranzubilden, die keinen Befehlen von oben gehorchen, sondern selbst freie Formen des gesamten neuen Wirtschaftslebens entwickeln können.“ — Pyotr Kropotkin

„Die Erde ist übersät mit den Ruinen von Reichen, die glaubten, ewig zu bestehen.“ — Camille Paglia

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